Aus IVV Sonderpublikation 2018: Energieautarke Mehrfamilienhäuser

Sonnenhäuser speichern Wärme in 48.000 Litern Wasser

14.11.2018
Energieautarke Mehrfamilienhäuser in Ziegelbauweise
Wohnhäuser als Kraftwerke: Die Gebäude werden mit einschaligem Ziegelmauerwerk errichtet. An der Südseite werden jeweils 100  m² Wärme­kollek­toren und Solarstrommodule installiert. BILD: TIMO LEUKEFELD

Eine ambitionierte Wohnungsbaugenossenschaft steckt sich hohe Ziele: Die eG Wohnen 1902 realisiert derzeit zwei viergeschossige Wohnbauten, die sich zum Großteil selbst mit Wärme und Strom versorgen.

Derzeit entstehen im Cottbusser Stadtteil Sandow zwei besondere Mehrfamilienhäuser. Die Wohnungsbaugenossenschaft eG Wohnen 1902 mit Sitzen in Cottbus und Burg realisiert in enger Zusammenarbeit mit dem Wienerberger Projektmanagement (WPM) die beiden energieautarken Viergeschosser nach dem „Sonnenhaus-Konzept“. So bezeichnete Gebäude decken ihren Jahreswärmebedarf für Heizung und Warmwasser mindestens zur Hälfte durch eine eigene Solarthermie-Anlage. Beim Cottbusser Projekt streben die Projektverantwortlichen sogar 70 Prozent an, was Solarexperten als wirtschaftliches Optimum empfehlen. Zusätzlich sollen 70 Prozent des Strombedarfs aus Eigenproduktion gedeckt werden.
Susanne Weichold, Projektentwicklerin, und Carsten Rünger, Technischer Berater, beide aus dem Wienerberger Projektmanagement (WPM), betreuen dieses Leuchtturmprojekt. Erfahrungen zum energieautarken Bauen, die der Solarpionier Professor Timo Leukefeld bislang bei Einfamilienhäusern sammelte, werden auf den Geschosswohnungsbau übertragen.

Optimierte Solarenergienutzung

Das Planungsteam optimierte die beiden identischen Häuser sowohl für die aktive als auch die passive Nutzung solarer Energie. Dazu zählt beispielsweise, dass die Dachfläche und die Wohnräume nach Süden ausgerichtet und die Dächer mit 50 Grad stärker geneigt sind als üblich. Als Baustoff für die thermische Gebäudehülle entschieden sich die Projektbeteiligten für ein hochwärmedämmendes Ziegelmauerwerk. Der ausgewählte Poroton S8-MW aus dem Hause Wienerberger ist mit Mineralwolle verfüllt und wird bei diesem Projekt in einer Dicke von 42,5 Zentimetern verwendet. Auch alle Innenwände werden – je nach Anforderungen an Statik und Schallschutz – aus unterschiedlichen Poroton-Ziegelprodukten und Systemergänzungen von Wienerberger erstellt.

Bauphysikalische Vorteile des Ziegels

Die Ziegelwände der beiden Gebäude mit je 600 Quadratmetern beheizter Wohnfläche puffern aufgrund ihrer großen Speichermasse Temperaturschwankungen sehr gut ab. Daraus resultiert im Innern eine geringe Temperaturamplitude, was sich positiv auf die Kosten für Heizung und Klimatisierung auswirkt – und im Hinblick auf heißer werdende Sommer bedeutender wird. Davon profitieren neben der Umwelt vor allem die künftigen Bewohner, die in einem Haus mit relativ konstanten Innentemperaturen leben werden. Im Sommer bleibt es im Vergleich zur Außentemperatur angenehm kühl, im Winter komfortabel warm.

Nahwärmenetz verdoppelt Solarthermie-Ausnutzung

Um möglichst viel Sonnenwärme nutzen zu können, steht in jedem der beiden Häuser ein Wasserspeicher mit 24.000 Litern Inhalt. Hier wird Sonnenwärme zwischengespeichert. Über ein Nahwärmenetz lassen sich in der warmen Jahreszeit sogar zwei benachbarte Gebäude versorgen. Die Solarthermie-Ausnutzung wird dadurch nahezu verdoppelt. Sollte der Wärmebedarf für Heizung und Warmwasser in den Wintermonaten größer sein als die Erträge, wird in jedem Gebäude einfach eine Gas-Brennwerttherme zugeschaltet.

Der Stromeintrag über die Photovoltaik-Anlagen wird für Haushaltsgeräte, Anlagentechnik und Elektroautos verbraucht. Insgesamt vier Lithium-Ionen-Akkus mit je 54 Kilowattstunden Speicherkapazität nehmen Überschüsse auf.

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Suchbegriffe:  SolarthermieZiegelSonnenhausPorotonWohnungsbaugenossenschaft eG Wohnen 1902Wienerberger

aus: IVV Ausgabe 10/2018

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