Umnutzung von Gewerbeimmobilien

Transformation meist in Wohnungen und Büros

Verstärkt durch die Corona-Pandemie scheint die Krise des stationären Einzelhandels allgegenwärtig. Doch es werden mehr Büro- und Industrieobjekte zu neuen Nutzungsarten transformiert als Handelsimmobilien.

Loft-Wohnung: Wo früher malocht wurde, lebt es sich heute gut. FOTO: 4th Life Photography/stock.adobe.com
Loft-Wohnung: Wo früher malocht wurde, lebt es sich heute gut. FOTO: 4th Life Photography/stock.adobe.com

Das Thema „Transformationsimmobilien“ hat vor allem durch große Umbrüche im Handel an Brisanz gewonnen. Gemeinsam mit Union Investment hat das Analyse- und Beratungsunternehmen bulwiengesa eine umfangreiche Studie erstellt. Eines der wichtigsten Ergebnisse: Es werden mehr Büro- und Industrieimmobilien zu neuen Nutzungsarten transformiert als Handelsimmobilien. Nach Ansicht der Studienautoren werden Transformationsimmobilien nicht nur bei der zunehmend notwendigen Neugestaltung der Innenstädte an Bedeutung gewinnen, sondern auch in der Projektentwicklung. Im Unterschied zum Neubau verkörperten diese Vorteile wie Wiedernutzung der bestehenden Bausubstanz, Nutzungsvielfalt und neue Urbanität. Für die Studie „Transformationsimmobilien – wie ESG, E-Commerce und soziale Trends Mixed Use beschleunigen“ haben die Autoren zum einen in zahlreichen qualitativen Interviews unter anderem Projektentwickler befragt. Zum anderen wurden in einer quantitativen Analyse regionale und nutzungsspezifische Muster von Transformationsimmobilien für den deutschen Immobilienmarkt herausgestellt.

Die Studie zeige anhand einer Analyse der RIWIS-Datenbank von bulwiengesa auf, dass – anders als die aktuelle Diskussion um die Zukunft des stationären Einzelhandels vielleicht vermuten ließe – Büros und Industrieimmobilien in Summe häufiger eine Transformation erfahren als Handelsimmobilien. In den fertiggestellten Immobilien dominieren Büro- und Wohnnutzungen.

In der neuen Nutzung hat häufig auch der Handel wieder seinen Platz

Die häufigsten ehemaligen Nutzungen seien nicht mehr marktgerechte Büros sowie Logistik, Industrie, Einzelhandel und Gastronomie. Den größten Anteil an neuen Nutzungsarten (Single Use) hätten Wohnungen mit 30 Prozent und Büros mit 27 Prozent. Rund die Hälfte der analysierten Transformationsimmobilien würden jedoch als gemischte Nutzung umgesetzt. Gleichzeitig werde aber auch deutlich, dass der Einzelhandel auch nach der Transformation einer der wichtigsten Bausteine der neuen Nutzungskonzepte bleibe: Rund 28 Prozent der Nutzungen in gemischten Nutzungskonzepten seien Einzelhandel und Gastronomie, die damit weiterhin eine hohe Relevanz hätten. Allerdings eben nicht mehr als Einzelnutzung, sondern im Rahmen von Nutzungsmischung – ganz im Sinne von immobilienwirtschaftlicher Risikostreuung.

In die Analyse einbezogen wurden Immobilien, die in den Jahren 2015 bis 2021 eine Nutzungsänderung vollzogen haben bzw. aktuell in Bau sind und für die eine Nutzungsänderung angestrebt wird. Die Objekte haben eine Gesamtnutzfläche von mehr als 5.000 qm und liegen in den 127 ABCD-Städten. Projekte, die neben transformierten Bestandsgebäuden durch Neubauten ergänzt bzw. erweitert werden, sind ebenfalls Bestandteil der Analyse. In den 408 untersuchten Transformationsimmobilien sind nach ihrer Nutzungsänderung insgesamt rd. 3,18 Mio. qm NF errichtet worden bzw. werden errichtet.

Die Studie (PDF) können Sie kostenfrei über die Website von Union Investment anfordern. (Red.)

weiterlesen:
IVV-Fachartikel: Umnutzung von Gewerbeflächen  ̶  Händler gehen, Gastronomen kommen aus IVV Februar-Ausgabe 2022

Printer Friendly, PDF & Email
23.10.2024
PwC-Studie „Transformation der Innenstädte“
In guten Lagen von A- und B-Städten lassen sich ehemalige Warenhäuser nach der Umnutzung profitabel bewirtschaften. Das liegt vor allem an den erzielbaren Mieten. Diese sind weitaus höher als in...
23.4.2025
Neue EBZ-Studie
Über welche Qualifikationen müssen zukünftig Belegschaften verfügen, die mit der Bewirtschaftung von Gewerbeimmobilien befasst sind? Eine Studie der EBZ Bochum gibt jetzt Aufschluss. Die Ergebnisse...
1.7.2025
Investitionen gehen zurück
Die digitale Transformation der Immobilienbranche tritt auf der Stelle. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Bereitschaft, in die Technologie und in die Qualifizierung von Mitarbeitern zu investieren...
7.3.2024
Empirica-Studie im Auftrag des ZIA
Seit Ende der 1990er-Jahre wurden in Deutschland 131 Warenhäuser geschlossen. Das Problem des fehlenden Wohnraums lässt sich durch die Umnutzung dieser Immobilien nicht lösen.
15.11.2024
Blicke in die Zukunft der Immobilienbranche
Der Zentrale Immobilien Ausschuss hat auf dem ZIA-Innovationskongress herausragende technische Innovationen prämiert, die die Zukunft der Branche sichern können. Wie diese Zukunft aussehen könnte...
10.3.2026
Miet- und WEG-Recht
In Miet- und Eigentumswohnungen gibt es häufig wenig Abstellflächen. Da scheint sich die Garage als Stauraum für Möbel oder Hausrat anzubieten. Doch Vorsicht: Kartons statt PKW könnte eine rechtlich...