Kolumne

Andere Branchen machen es vor

In der vorangegangenen Ausgabe habe ich von meinen Problemen rund um den Fachkräftemangel berichtet. Jetzt bringe ich aus meinem Kurzurlaub an der Nordsee eine Idee aus der Gastro-Branche mit, die bei uns in der Hausverwaltung auch funktionieren könnte.

1105
 Bild: Pixabay/ www_slon_pics
Bild: Pixabay/ www_slon_pics

Mein Urlaubsort ist relativ abgelegen und nicht gerade der Hotspot des Entertainments für junge Leute. Kein Gym, kein Club, keine Bar, kaum Shoppingmöglichkeiten und zur nächsten Großstadt sind es mit dem Auto anderthalb Stunden. Mit der Bahn noch mehr. Mit anderen Worten: Die am Ort ansässigen – durchaus guten und hochwertigen – Hotels und Restaurants hatten bis vor Kurzem ein Problem, Menschen zu motivieren, bei ihnen zu arbeiten. Das Problem kennen wir Verwaltungen, oder?

An meinem Urlaubsort aber haben sich vor einiger Zeit mehrere dieser Unternehmen zusammengeschlossen und sind aktiv geworden. Es wurden Umfragen gemacht, was sich die jungen Leute so wünschen und was sie dazu bewegen würde, in die „Pampa“ zu ziehen und dort zu arbeiten.

Die Ergebnisse waren ambitioniert, aber umsetzbar. Also haben die beteiligten Unternehmen einen Ringtausch von Bewerbern und Azubis vereinbart und diverse Zusatzleistungen für sie organisiert. Angefangen von einer Fünftagewoche (für die Gastro sehr ungewöhnlich), einem eigens eingerichteten kostenlosen Gym und einer Monatskarte für den ÖPNV über einige andere ungewöhnliche Angebote bietet dieser Unternehmensverbund jetzt genau das, was sich die jungen Leute wünschen. Und das Ergebnis ist sehr positiv: Entgegen dem Trend haben sich einige junge Bewerber gefunden, die das Experiment eingegangen und geblieben sind. Damit ist das Personalproblem zwar nicht gelöst, aber auf jeden Fall gemildert und die Schließung des einen oder anderen Betriebs konnte damit vermieden.

Ja, Öffnungszeiten sind immer noch eingeschränkt und es gibt mehr Ruhetage als früher. Aber daran werden wir uns als Kunden wohl gewöhnen müssen. Die Zeiten des Überflusses sind vorbei und wir können froh sein, wenn gerade in der aktuellen Situation überhaupt noch jemand da ist, der für uns kocht, das Essen an den Tisch bringt oder unser Hotelzimmer reinigt.

Ich finde dieses Beispiel durchaus nachahmenswert und werde jetzt mal meine regionalen Kollegen darauf ansprechen. Mal sehen, ob wir da was auf die Beine stellen können.

IVV-Onlineseminar zum Nachhören

mit Verwalter-Berater Michael Friedrich zum Thema Hausverwaltung neu gedacht - Was sich an einer Dienstleistung ändern muss. 60 Minuten, MP4-Datei, Link anfordern.

Michael Friedrich

Michael Friedrich
Hausverwalter, Autor, Der Verwalter-Berater
AnhangGröße
Beitrag als PDF herunterladen214.23 KB

◂ Heft-Navigation ▸

Artikel Andere Branchen machen es vor
Seite 6
5.12.2024
Kolumne
Diese Frage habe ich in meinem Feed bei einem Nachrichtenportal gelesen – und habe genickt. Bitte nicht falsch verstehen: Mein Kopfnicken bedeutet nicht, dass ich der Meinung bin, dass es solche in...
7.8.2025
Kolumne Thema „Fachkräftemangel“
Ich möchte meinen Mitarbeitenden mehr Verantwortung übertragen. Doch, die kneifen.
26.7.2024
Kolumne
(Fach-)Kräftemangel! Trifft uns Hausverwaltungen alle und in immer stärkerem Ausmaß. Ich habe schon Aufträge von wirklich lukrativen Objekten ablehnen müssen, weil ich die ausreichende Personaldecke...
4.6.2024
Entscheidungsbefugnisse in der WEG
Die Kompetenzen des Wohnungsverwalters im Rahmen seiner Tätigkeit sind in § 27 Abs. 1 WEG beschrieben. Nach § 27 Abs. 2 WEG können die Wohnungseigentümer diese Rechte und Pflichten durch Beschluss...
29.1.2025
Scheinselbstständige bei Maklern und Verwaltern
Mitte Dezember vergangenen Jahres durchsuchten über 300 Zollbeamte Wohn- und Geschäftsräume von Engel & Völkers in Hamburg und anderen Städten des Franchiseunternehmens. Mehrere Lizenznehmer stehen im...
25.8.2025
Kolumne
Lohnt es sich für eine Immobilienverwaltung sehr kleine Wohneigentümergemeinschaften ins Portfolio zu nehmen? Unser Kolumnist, selbst Hausverwalter, hat dazu seine ganz eigene Meinung.