Best Practice: Klimaschutzziele und Wohnungswirtschaft

CO2-Einsparziele 2050 bezahlbar umsetzen

Südlich von Berlin wird die Stadt der Zukunft 2050 entstehen. Bis Mitte des kommenden Jahrzehnts werden in Königs Wusterhausen 3.500 Wohneinheiten im SolWo Königspark gebaut. Die Gebäudetemperierung erfolgt klimaneutral, die Klimaschutzziele 2050 werden gemäß Planung deutlich unterschritten, und das bezahlbar. Wie das geht?

Die Dekarbonisierung des Wohnens: Ein neuer Stadtteil in Königs Wusterhausen wird sich regenerativ selbst mit Strom und Wärme versorgen. BILD: HHS Planer + Architekten AG/Projektsteuerung eZeit Ingenieure GmbH
Die Dekarbonisierung des Wohnens: Ein neuer Stadtteil in Königs Wusterhausen wird sich regenerativ selbst mit Strom und Wärme versorgen. BILD: HHS Planer + Architekten AG/Projektsteuerung eZeit Ingenieure GmbH

Am Beispiel des SolWo Königsparks werden die relevanten Klimaschutzziele und deren Realisierung für die Wohnungswirtschaft erläutert.

Zusammenführung von unterschiedlichsten Rahmenbedingungen

Die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum ist ein zentrales Anliegen der SolWo Gruppe. So ist die große Herausforderung Lösungen zu finden, um die sozialen Anforderungen sowie die politischen, wirtschaftlichen und ökologischen Rahmenbedingungen zusammenzuführen. Die Projektentwickler und -planer, HHS Planer + Architekten AG sowie eZeit Ingenieure GmbH, haben mit dem Energiekonzept und der darauf abgestimmten Baukonstruktion diese unterschiedlichen Interessen bei der Gesamtplanung berücksichtigt.

Klimaschutzplan 2050

Der Klimaschutzplan 2050 ist für die Bau- und Immobilienwirtschaft eine große Herausforderung, gilt es doch die nachfolgend genannten nationalen Klimaschutzziele umzusetzen. Die Zahlen in Klammern zeigen den derzeitigen Anteil an den CO2-Emissionen in Deutschland.

  • Klimaschutz in der Energiewirtschaft (ca. 40 %)
  • Strategie klimafreundliches Bauen und Wohnen (ca. 13 %, aber 30 % der Treibhausgasemissionen)
  • Klimaschutz und Mobilität (ca. 17 %)
  • Klimaschutz in Industrie und Wirtschaft (ca. 20 %)

Für alle Neubauten soll daher ein Effizienzstandard definiert werden, nach dem es zusammen mit der direkten Nutzung von erneuerbaren Energien zu nahezu keinen CO2-Emissionen mehr kommen soll. Hinzu kommt, dass durch die Kopplung verschiedener Sektoren auch der Klimaschutz im Bereich Mobilität und Energiewirtschaft angegangen wird. Und hier kommt der Gebäudewirtschaft eine neue Rolle zu, denn in Gebäuden wird nicht mehr nur Energie konsumiert, sondern auch produziert.

Strategie für energieeffiziente Gebäude und Quartiere

Im Klimaschutzplan kommt den Gebäuden damit eine zentrale Bedeutung zu, denn dort wird gegenwärtig – vor allem beim Heizen, Kühlen und Lüften – rund ein Drittel der Treibhausgasemissionen verursacht. Daher ist es das erklärte Ziel im SolWo Königspark, den Wärmeverbrauch von Quartieren CO2-neutral zu decken und gleichzeitig netzstabilisierend durch die Zuschaltung von Wärmepumpen, Power to Heat-Anlagen und elektrische Fahrzeuge die regionalen Gegebenheiten der Energiewende zu unterstützen. Dazu werden unterschiedliche konventionelle und teils hochinnovative Technologien und Systeme verbaut und betrieben, die in bestehenden Leuchtturmprojekten ihre Leistungsfähigkeit bewiesen haben. Elektrische Wärmepumpen und ein Mix aus solar- und geothermischen Anlagen, gekoppelt mit Lang- und Kurzzeitspeichern sichern die nachhaltige Wärmeversorgung auf Basis von 100 Prozent erneuerbarer Energien.

Wodurch erfolgt die Stromversorgung? Wie wird die Wärme erzeugt? Was kostet das Ganze?

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Lohnt sich klimaneutrales Bauen?

Am Beispiel des SolWo Königsparks wird gezeigt, wie klimaneutrales Bauen ökonomisch, sozial verträglich und ökologisch umgesetzt werden kann. Durch die intelligente Zusammenschaltung von effizienten Wärmewandlungssystemen und Stromerzeugern auf Basis von erneuerbaren Energien wird ein sehr geringer Primärenergieanteil von deutlich unter 10 kWh/m²a erreicht, wodurch die Ziele von 2050 deutlich unterschritten werden.

Jedoch handelt es sich hierbei nicht um ressourcenintensiven Passiv- oder Plusenergiebauten, sondern um bezahlbare Neubauten mit einer optimierten Abstimmung der Gebäudehülle und Haustechnik. Gleichzeitig wird die Wohnfläche maximiert, was zusätzliche Vorteile für
Nutzer und Vermieter mit sich bringt.

Darüber hinaus wird das Quartier als Stromnetzstabilisator wichtiger Baustein im regionalen Energiewendekontext. Die Sektorenkopplung ermöglicht eine ökonomische Integration der Elektromobilität. Gebündelt in einem grünen Mietvertrag können so kalkulierbare preiswerte Energiebetriebskosten für Mieter und Vermieter geschaffen werden, die eine Win-Win-Situation für beide Parteien darstellen.

Video zum Projekt SolWo Königspark – ein klimaneutraler Stadtteil mit Modellcharakter

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Wider den Dämmwahn

Unser Autor Taco Holthuizen ist Architekt, leidenschaftlicher Kämpfer für eine ökologische Bauweise und wendet sich gegen die staatliche subventionierte Ressourcenverschwendung durch eine übertriebene Gebäudedämmung. Holthuizen weist auf das Problem der grauen Energie hin: Die Produktion von Dämmstoffen verbraucht Rohstoffe und erzeugt C02-Emissionen, die in der Öko-Bilanz energieeffizienter Gebäude nicht auftauchen. Am Beispiel des Modernisierungsprojektes der Märkischen Scholle eG in Berlin-Lichterfelde weist Holthuizen nach, dass mit einer intelligenten Mischung aus moderater Dämmung und regenerativer Energieerzeugung die CO2-Einsparziele der
Bundesregierung für 2050 bereits heute deutlich unterschritten werden.

Lesen Sie dazu den Artikel in der IVV 10/2017, S. 32.

Forum der Zeitschrift IVV immobilien vermieten & verwalten auf der bautec 2018

Über CO2-Ausstoß, die Ressourcenverschwendung im Wohnungsbau und die staatliche Förderung von Wärmedämmung werden ausgewiesene Experten am 21. Februar am Tag der Wohnungswirtschaft diskutieren.

Die Teilnahme ist kostenlos. Tickets für die Messe bautec 2018 vom 20. - 23. Februar verlosen wir in Bälde.

Mehr Infos zum Streitgespräch über die Erreichung von Klimaschutzzielen und die Wärmedämmung.

Weiterführende Links:
http://www.koenigspark.com
http://www.ezeit-ingenieure.de

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