ZIA Umfrageergebnisse

Deutsche wollen neue Wohnungspolitik

Die Deutschen klagen über ein zu geringes Wohnungsangebot, fordern einen rigideren Umgang mit fehlbelegten Wohnungen und vertrauen den privaten Wohnungsunternehmen, ausreichend Wohnraum zu schaffen. Sie wollen passende staatliche Unterstützung für einkommensschwache Haushalte und den Wohnungsbau und setzen dabei neben dem geförderten Wohnungsbau zunehmend auf Mietzuschüsse als Problemlösung.

BILD: AdobeStock/ kamasigns
BILD: AdobeStock/ kamasigns

Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage von Civey im August 2018, die der ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss e.V., Spitzenverband der Immobilienwirtschaft, in Auftrag gegeben hat. „Mehrere Politiker haben bezahlbaren Wohnraum als soziale Frage unserer Zeit bezeichnet. Das zeigt die hohe Relevanz dieses Themas. Viele Menschen haben Probleme, eine Wohnung in den angespannten Märkten zu finden. Hier herrscht dringender Handlungsbedarf. Wir als Branche müssen bessere politische Rahmenbedingungen erhalten und brauchen weniger Regulierung und Ideologie, um schneller, effizienter und intelligenter bauen zu dürfen“, erklärt Dr. Andreas Mattner, Präsident des ZIA. „Die angespannte Stimmung erzeugt hitzige Diskussionen, die wir dringend führen müssen. Dennoch müssen wir auch auf sachlicher Ebene Lösungen finden“, meint Mattner.

Jeder Siebte sucht eine neue Wohnung

Laut der Umfrage befinden sich derzeit 14,7 Prozent der Befragten auf der Suche nach einem neuen Haus beziehungsweise einer neuen Wohnung. Insbesondere in der Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen ist der Anteil an Wohnungssuchenden mit 30,5 Prozent besonders hoch. Zudem sind „Arbeitslose / Nichterwerbspersonen“ vergleichsweise häufig auf der Suche (27,6 Prozent). „Diese Zielgruppen sind es aber auch, die durch das mangelnde Angebot drohen verdrängt zu werden. Aus diesem Grund setzen wir uns für eine lebendigere Grundstückspolitik der Kommunen, effizientere Prozesse und mehr Freiheiten in der Projektentwicklung ein", so Rolf Buch, Vorsitzender des ZIA-Ausschusses Wohnen.

Objekt-  und Subjektförderung gefordert

Mehrere Befragte betrachten die starke Alleinstellung der Objektförderung in Deutschland, also dem sozialen Wohnungsbau, kritisch und befürworten dementsprechend weitere Maßnahmen. So hält jeder vierte Umfrageteilnehmer (25,2 Prozent) Mietzuschüsse, also Subjektförderung, für geeigneter. 11,6 Prozent wollen sowohl Objekt- als auch Subjektförderung. Jeder dritte Erwerbslose (34,8 Prozent) hält reine Subjektförderung für das bessere Instrument.

Kritisch betrachten die Befragten auch das Thema Fehlbelegung. So würden 53,6 Prozent der Befragten eine Zusatzabgabe eines Mieters in einer Sozialwohnung fordern, wenn sich dessen Haushaltseinkommen etwa durch einen neuen Job entsprechend erhöht. 27,5 Prozent würden sogar das Mietverhältnis kündigen. Eine Kündigung infolge eines höheren Haushaltseinkommens ist sicher nicht zielführend. Dennoch halten mehrere Befragte entsprechende Abgaben für sinnvoll.

Befragte kritisieren zu geringes Wohnungsangebot und einseitige Unterstützung

Auf die Frage, worin sich die Mietpreisanstiege in den Großstädten begründen, antworten 86,9 Prozent mit einem zu geringen Wohnungsangebot. 80,3 Prozent der Befragten sehen auch die hohen Bau- und Grundstückskosten in der Verantwortung. „Das Bauen ist in den letzten Jahren konstant teurer geworden. Die politischen Auflagen haben sich erhöht, die Grundstückspreise sind ebenfalls auf einem Allzeithoch und Kosten für Baustoffe und Gewerke steigen konstant. Allerdings gibt es zahlreiche Instrumente wie die Konzeptvergabe von Grundstücken, serielles länderübergreifendes Bauen und digitales Planen, um die Kosten zu reduzieren. Diese Angebote werden aber aktuell von zu wenigen Kommunen genutzt. Hier findet sich ein erhebliches Potenzial“, erklärt Mattner. Zudem müsse die Politik laut Einschätzung der Befragten auch den privaten Wohnungssektor unterstützen. 51,9 Prozent der Befragten meinen, dass die Politik neben der öffentlichen auch die private Immobilienwirtschaft beim Bau von bezahlbarem Wohnraum unterstützen sollte. „Dafür braucht es nicht immer Subventionen, sondern vielmehr gleiche Möglichkeiten etwa bei der Vergabe von Grundstücken und der Genehmigung von Planungen und Bauvorhaben“, ergänzt Mattner. Darüber hinaus seien viele Kommunen mit den aktuellen Herausforderungen aufgrund eines Personalabbaus in den letzten Jahren überlastet. „Wir müssen zwingend besser zusammenarbeiten.“

ZIA: Das Planen und Bauen in Deutschland muss beschleunigt werden

Der ZIA schlug im Vorfeld des Wohnungsgipfels der Bundesregierung am 21. September mehrere Maßnahmen für Bund, Länder, Kommunen und Immobilienwirtschaft vor, die Sie unter dem Link nachlesen können.

Die Ergebnisse der repräsentativen Umfrage zum Thema "Wohnen in Deutschland" des ZIA und Civey können Sie unten herunterladen (PDF, 7 Seiten)

Weiterlesen:
Kommt die Verschärfung der Mietpreisbremse (Juni 2018)
Es können kaum mehr Wohnungen fertiggestellt werden, denn die Bauwirtschaft steckt bis zum Hals in Arbeit (April 2018)

Scharfe Analysen, kritische Stellungnahmen, Pro- und Kontra-Abwägungen, schulemachende Projekte - dies alles lesen Sie monatlich in der Printausgabe der Zeitschrift IVV immobilien vermieten & verwalten und Online.

► Noch kein Abonnent von IVV immobilien vermieten & verwalten? Hier können Sie drei Ausgaben kostenfrei testen!

 

Die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) schreibt vor, dass zu Prozessen, bei denen personenbezogene Daten verarbeitet werden, der Verantwortliche Verfahrensverzeichnis führen muss. Insbesondere bei einer Prüfung durch die Datenschutzbehörden muss der Verantwortliche...
Printer Friendly, PDF & Email
7.12.2018
NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach zu Besuch im EBZ
Wie funktioniert Wohnungspolitik und wie lässt sich der Anteil von Frauen in Führungspositionen von Immobilienunternehmen erhöhen? Über beide Fragen diskutierte die Ministerin mit Berufsschülern und...
4.3.2020
Die Immobilienbranche verfügt über einen großen Datenschatz auf der Markt-, Objekt- und Nutzerebene. Doch um diese Daten effektiv nutzen zu können, muss man sie zunächst analysieren und auswerten. Die...
16.7.2018
Verwalter versus Makler?
In der Verwalterbranche etabliert sich ein neuer wichtiger Wirtschaftszweig: die Wohnungsvermittlung. Denn seit der Einführung des Bestellerprinzips steigt das Interesse der Eigentümer, ihren WEG...
18.2.2019
DEKRA Arbeitssicherheitsreport
Fast drei von zehn Mittelständlern haben Defizite beim Brandschutz. Zahlreiche Betriebe (28 Prozent) unterlassen laut einer forsa-Umfrage im Auftrag von DEKRA die gesetzlich vorgeschriebene...
30.7.2018
Familien kaufen Eigenheime im städtischen Umland
Zwischen 2010 und 2015 ist die Bevölkerungszahl in den Gegenden rund um Deutschlands größte Städte zum Teil um vier bis fünf Prozent gewachsen – das belegt der Immobilienmarktbericht 2017 der...
27.4.2017
Online-Befragung:
Die Klagen über den Lärm in der Stadt sind wahrscheinlich so alt wie die Stadt als Siedlungsform selbst. Heute zieht es wieder Hunderttausende in die Städte, obwohl sich viele Stadtbewohner von der...