BBU-Zukunftsaward 2018 „Fokus Mensch“

Es menschelt im Quartiersmanagement

31.05.2018

Menschen, Mieter, Nachbarschaften – sich kümmern und Gemeinschaft stiften. Dass die ehemals gemeinnützige Wohnungswirtschaft, also die Kommunalen und die Genossenschaften, ihrer sozialen Verantwortung gerecht werden, will der BBU mit dem Zukunftsaward 2018 zeigen. Damit holt der Verband vorbildliche Projekte der sozialen Integration ins Rampenlicht.

Eine Senioren übt mit zwei Hanteln
BBU-Auszeichnung für das Projekt „Gesundheitsbuddys“: Ehrenamtliche aktivieren Senioren in der eigenen ­Wohnung. FOTO: AdobeStock/ pictworks

Eine Jury unter dem Vorsitz von Daniel Tietze, Berlins Staatssekretär für Integration, vergab Preise in den beiden Kategorien „Genossenschaften“ und „Gesellschaften“. Maren Kern, Vorstand des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU), begründet die Preisverleihung mit den Worten: „Die ausgezeichneten Projekte stärken Gemeinschaften und verbinden in hervorragender Weise die Interessen des Einzelnen mit dem Gemeinwohl.“

Genossenschaft öffnet sich einer Förderschule

Bei Nachbarschaftskonflikten kann man sich wegducken, Öl ins Feuer gießen oder in einer Charmeoffensive Hilfe anbieten. Für das Aufeinanderzugehen entschied sich die Genossenschaft „Aufbau“ Strausberg eG angesichts angespannter nachbarschaftlicher Beziehungen zwischen Mietern und einer Förderschule. Für dieses Projekt erhielt die „Aufbau“ den 1. Preis. Nach Beschwerden von Anwohnern über Müll und Lärm machte die Genossenschaft ein Kooperationsangebot: Die Genossenschaft stellt der Schule Leerwohnungen für praktischen Unterricht zur Verfügung. Dabei werden den Schüler verschiedene Gewerke in Workshops (u. a. Aufmaß, Malern, Fliesenlegen) zum Kennenlernen und Ausprobieren vorgestellt. Das Material stellt die Genossenschaft zur Verfügung, Know-how und Handwerker. Im Gegenzug unterstützen die Schüler die Bewohner in ihrem Alltag. Sie helfen älteren Mietern bei Einkäufen, übernehmen die Treppenhausreinigung und sammeln Papier vor Hauseingängen und in Außenanlagen. Durch das Projekt haben sich die Nachbarschaftsbeziehungen zwischen Schülern und Mietern deutlich verbessert; gleichzeitig hat es die Berufsorientierung der Schüler befördert. Die Jury weist in der Begründung darauf hin, dass der Genossenschaftsgedanke der Hilfe zur Selbsthilfe hier umfassend gelebt werde. Die Kooperation bringe beiden Seiten Vorteile und stärke das Quartiersleben.

Neu bauen neben den „Gärten der Welt“

In der Kategorie „Genossenschaften“ vergab die Jury dreimal einen zweiten Preis. Mit einem zweiten Platz wurde die Genossenschaft Marzahner Tor eG für ihre professionelle Imagekampagne aus dem Jahr 2017 geehrt. Mit der Kampagne wurde das Neubauvorhaben „An den Gärten der Welt“ begleitet und der Genossenschaftsgedanke in den Mittelpunkt gestellt. Neue Mitglieder sollten sich auf die Neubauwohnungen mit kreativen Ideen für eine gute Nachbarschaft bewerben. Gesucht wurden Menschen, die Genossenschaft leben und sich engagieren wollen. Gleichzeitig sollte auch das Image des Berliner Stadtteils Marzahn verbessert werden. Dabei warb die berlinweite Kampagne für das gute Wohnen in Marzahn mit Bestandsmietern, die auf den Plakaten als Models eingesetzt wurden. Die Kampagne stärkte zudem die Akzeptanz für das Thema Neubau unter den Bestandsmietern und benachbarten Quartieren. Die Jury befand: „Der Genossenschaft ist es mit dieser Kampagne gelungen, eine hohe Akzeptanz für ein Neubauprojekt in Berlin zu schaffen.“

Ein zweiter Preis an das Projekt „Gesundheitsbuddys“

Zweite Preise vergab die Jury außerdem an die Potsdamer Wohnungsbaugenossenschaft und die Potsdamer Wohnungsgenossenschaft 1956 für das Projekt „Gesundheitsbuddys“.

Dabei geht es um die Mobilisierung und körperliche Aktivierung von alten Menschen (80 plus), die sich in den eigenen vier Wänden, angeleitet durch ausgebildete ehrenamtliche Helfer, sportlich betätigen. Durch die Ausbildung von mittlerweile 15 Mitgliedern zu „Gesundheitsbuddys“ wurden in Form von Nachbarschaftshilfe die Voraussetzungen dafür verbessert, dass Mieter lange und selbstbestimmt in ihren Wohnungen und im vertrauten Umfeld leben können. Nach Ansicht der Jury ist das Engagement dieser Gesundheitspaten ein sehr gutes Beispiel für den Umgang mit dem demografischen Wandel in Wohnquartieren. Zudem trage die Kooperation beider Genossenschaften mit dem Verein „Selbstbewusst altern in Europa e. V.“ sowie die Anerkennung der Maßnahme durch die Pflegeversicherung zu einem professionellen und dauerhaften Charakter des Projekts „Gesundheitsbuddys“ bei.

Flüchtlinge durch Arbeit integrieren

Im Wettbewerb der „Gesellschaften“ erhielt die Gewobag Wohnungsbau AG Berlin den ersten Preis für das Projekt „Vielfalt entwickeln“, das der aktiven Integration von Flüchtlingen dient. Das städtische Wohnungsunternehmen stellt Praktikums- und Ausbildungsplätze zur Verfügung, die mit einem sehr durchdachten Paten-Mentoren-Programm verbunden sind. Zudem lebt das Unternehmen ein fünfstufiges Integrationskonzept, das von einem Infotag über eine Einstiegsqualifikation und Ausbildung bis zum Arbeitsvertrag reicht.

Die jungen Menschen mit einem Fluchthintergrund haben durch die Mehrstufigkeit die Möglichkeit, nach ihren individuellen Qualifizierungsständen einzusteigen. Nach einführenden Informationen zum Berufsbild und zur dualen Ausbildung, die in den Herkunftsländern in dieser Form zumeist unbekannt ist, erhalten die Teilnehmer während des Praktikums einen ersten Einblick in die Berufswelt in Deutschland. Danach besteht die Möglichkeit – je nach Vorbildung – mit einer Einstiegsqualifizierung die Ausbildungsfähigkeit zu erlangen und Sprachkenntnisse zu vertiefen. Während der Ausbildung durchlaufen sie mit den anderen Auszubildenden die relevanten Abteilungen und besuchen gemeinsam die Berufsschule. Während des gesamten Einsatzes werden sie von ehrenamtlichen Mitabeitern begleitet. Die Kommunikation zwischen beiden Parteien erfolgt auf Deutsch. Durch Sprachtandems und Förderunterricht wird der praktische Sprachgebrauch unterstützt. Während der Ausbildung flankiert ein vom Unternehmen organisierter und finanzierter Sprachkurs im ersten Ausbildungsjahr den fachlichen Spracherwerb.

Die Gewobag bildet die Menschen, die gekommen sind, um zu bleiben, zu Kaufleuten für Büromanagement und Immobilienkaufleuten aus. Zusätzlich werden Traineemodelle im Bereich Buchhaltung sowie Technik entwickelt.

Im Ausbildungsjahr 2017/2018 sind 33 Prozent der Auszubildenden Flüchtlinge. Darüber hinaus fanden weitere Flüchtlinge Stellen in der Buchhaltung, im Traineeprogramm zum Bauingenieur und in diversen Praktika. In einem fortlaufenden Prozess werden nach und nach weitere Neubürger ins Unternehmen integriert. Das Projekt wird beständig professionell evaluiert und durch Diversity-Schulungen für bestehende Gewobag-Mitarbeiter flankiert.

Werte vermitteln im Willkommensbüro

Das Evangelische Wohnungsunternehmen Hilfswerk-Siedlung GmbH unterhält seit 2016 einen Anlaufpunkt für Bestandsmieter und Mieter, die als Flüchtlinge ins Land gekommen sind. Das Willkommensbüro ist täglich neun Stunden geöffnet und wird durch sozialpädagogische Fachkräfte und Ehrenamtler kontinuierlich besetzt. Vor Ort findet ein umfangreiches Angebot an Sprachkursen und fachlicher Beratung statt, die durch Begegnungsangebote und gemeinsame, interkulturelle Feiern ergänzt werden. Bei den Angeboten des Willkommensbüros, das gemeinsam mit der Berliner Stadtmission betrieben wird, werden auch gesellschaftspolitische Themen und Werte vermittelt. Zudem wird auch die Gruppe der Nachbarn und Bestandsmieter durch Gesprächskreise gezielt angesprochen, in denen Ankommen und kulturelle Unterschiede thematisiert werden. Die Jury zeigt sich beeindruckt: „Das Willkommensbüro vermittelt Sprach- und Wertekompetenzen und trägt somit maßgeblich zu einem guten nachbarschaftlichen Miteinander sowie zur Konfliktvermeidung bei und baut gezielt Berührungsängste ab.“

Suchbegriffe: BBUGEWOBAGGesundheitsbuddysHilfswerk-Siedlung GmbH

Weitere Artikel

                                                                                                                                                               

In der aktuellen IVV lesen Sie:

So ist die Verwertungskündigung begründet
Digitale Gebäudeplanung: Für die Sanierung und Bewirtschaftung scannt man heute mit 3D-Laserscanner.