Kolumne

Andere Branchen machen es vor

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 Bild: Pixabay/ www_slon_pics
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In der vorangegangenen Ausgabe habe ich von meinen Problemen rund um den Fachkräftemangel berichtet. Jetzt bringe ich aus meinem Kurzurlaub an der Nordsee eine Idee aus der Gastro-Branche mit, die bei uns in der Hausverwaltung auch funktionieren könnte.

Mein Urlaubsort ist relativ abgelegen und nicht gerade der Hotspot des Entertainments für junge Leute. Kein Gym, kein Club, keine Bar, kaum Shoppingmöglichkeiten und zur nächsten Großstadt sind es mit dem Auto anderthalb Stunden. Mit der Bahn noch mehr. Mit anderen Worten: Die am Ort ansässigen – durchaus guten und hochwertigen – Hotels und Restaurants hatten bis vor Kurzem ein Problem, Menschen zu motivieren, bei ihnen zu arbeiten. Das Problem kennen wir Verwaltungen, oder?

An meinem Urlaubsort aber haben sich vor einiger Zeit mehrere dieser Unternehmen zusammengeschlossen und sind aktiv geworden. Es wurden Umfragen gemacht, was sich die jungen Leute so wünschen und was sie dazu bewegen würde, in die „Pampa“ zu ziehen und dort zu arbeiten.

Nach Abschluss einer Modernisierung kann der Vermieter 8% der Modernisierungskosten auf die jährliche Miete der Mieter umlegen. Ausnahmen hiervon können beispielsweise bestehen, wenn mit dem Mieter etwas anderes vereinbart war; mit dem Mieter eine...

Die Ergebnisse waren ambitioniert, aber umsetzbar. Also haben die beteiligten Unternehmen einen Ringtausch von Bewerbern und Azubis vereinbart und diverse Zusatzleistungen für sie organisiert. Angefangen von einer Fünftagewoche (für die Gastro sehr ungewöhnlich), einem eigens eingerichteten kostenlosen Gym und einer Monatskarte für den ÖPNV über einige andere ungewöhnliche Angebote bietet dieser Unternehmensverbund jetzt genau das, was sich die jungen Leute wünschen. Und das Ergebnis ist sehr positiv: Entgegen dem Trend haben sich einige junge Bewerber gefunden, die das Experiment eingegangen und geblieben sind. Damit ist das Personalproblem zwar nicht gelöst, aber auf jeden Fall gemildert und die Schließung des einen oder anderen Betriebs konnte damit vermieden.

Ja, Öffnungszeiten sind immer noch eingeschränkt und es gibt mehr Ruhetage als früher. Aber daran werden wir uns als Kunden wohl gewöhnen müssen. Die Zeiten des Überflusses sind vorbei und wir können froh sein, wenn gerade in der aktuellen Situation überhaupt noch jemand da ist, der für uns kocht, das Essen an den Tisch bringt oder unser Hotelzimmer reinigt.

Ich finde dieses Beispiel durchaus nachahmenswert und werde jetzt mal meine regionalen Kollegen darauf ansprechen. Mal sehen, ob wir da was auf die Beine stellen können.

Michael Friedrich

Michael Friedrich
Der Verwalter-Berater
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