Kolumne

Ein Hausverwalter sagt seine Meinung: Es rücken nicht genügend Nachwuchskräfte nach

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 Bild: Adobestock/ dbunn
Bild: Adobestock/ dbunn

Bis 2027 geht jede fünfte Führungskraft in den Ruhestand. So zumindest berichtet es die Fachpresse und trifft damit genau den Nerv in unserer Branche … wobei ja mit Sicherheit nicht nur bei uns! Was die Sache aber insgesamt so prekär macht, ist, dass nicht nur viele Chefs und Chefinnen in den Ruhestand gehen – verdient haben diese ihn allemal – sondern auf der anderen Seite nicht genügend junge Menschen nachrücken.

Wer will schon in die Niederungen unseres hektischen und teils menschlich belastenden Jobs herabsteigen, wenn er bei einem der großen Player für mehr Gehalt einen ruhigen Nine-to-five-Job hat?

Mittlerweile bekommt man ausgebildetes Personal mit profunden Praxiserfahrung am offenen Markt gar nicht mehr, sondern muss diese anderenorts abwerben. Was ich und viele meiner Kollegen nicht leisten können. Die Konsequenz: Ich habe einen Aufnahmestopp für neue Objekte verhängt und es kommt nur ein neues Objekt in die Verwaltung, wenn ein anderes geht.

Andererseits versuche ich, getreu dem Appell des Bundesverbands zur Erhöhung der Verwaltergebühr („Acht von zehn Verwaltungen wollen die Gebühren erhöhen“) meine Vergütung ebenfalls anzuheben und gleichzeitig in die Digitalisierung und maßgeblich in die Personalbindung zu investieren.

Führt der Mieter fällige Schönheitsreparaturen, einen Rückbau oder Instandsetzung von Beschädigungen nicht aus, obwohl er hierzu gesetzlich oder vertraglich wirksam verpflichtet wurde, ist es gerade im beendeten Mietverhältnis einfacher, die erforderlichen Arbeiten...

Wenn ich aber höre, welche Summen meinen Mitarbeitern von Wettbewerbern so angeboten werden, wird mir schwindelig. Das kann ich mir selbst im besten Fall nicht leisten.

Jetzt fällt mir und uns als Branche das eigene Verhalten in den letzten Jahrzehnten auf die Füße: Nämlich, dass wir uns zu billig verkauft haben und die Marktentwicklung gelinde gesagt verpennt haben. Mein großer Vorteil ist, dass ich es über die Jahre geschafft habe, meinen Mitarbeitern ein gutes Umfeld und eine tolle Gemeinschaft zu bieten.

Einzig die Gesamtentwicklung unserer Branche lässt mich positiver in die Zukunft schauen. Die steigende Bautätigkeit und die abnehmende Zahl an HV-Unternehmen werden dafür sorgen, dass die Nachfrage nach unserer Dienstleistung höher sein wird als das Angebot. Und das bedeutet höhere Verwaltergebühren. Und diese brauchen wir. Dringend!

Michael Friedrich

Michael Friedrich
Hausverwalter, Autor, Der Verwalter-Berater
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Seite 6
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