Konzepte für den Klimaschutz

Sonnenhäuser sparen fossile Brennstoffe ein

12.02.2019

Bei Sonnenhäusern sorgen große Solarthermie- und Photovoltaikanlagen für hohe Autarkie in der Energieversorgung für Wärme, Strom und Elektromobilität. Dies ist sowohl im Neubau als auch in der Bestandssanierung möglich.

Dies ist der erste Bauabschnitt der zweiteiligen Eigentumswohnanlage Solardomizil in Chemnitz. 317 Quadratmeter Solarkollektoren werden rund die Hälfte des Wärmebedarfs für insgesamt 30 Wohnungen solar decken. Foto: FASA AG

Das Sonnenhaus-Institut e.V. erkennt zwei positive Trends: die Zahl an Sonnenhaus-Projekten im Mehrfamilienhaus-Sektor und Geschosswohnungsbau nimmt weiter zu. Ebenso steigt die Zahl der Einfamilien-Sonnenhäuser mit Photovoltaikanlage. Das Institut will den Bau von Sonnenhäusern vorantreiben. „Unser Konzept hat ein hohes Potenzial für die Einsparung von fossilen Brennstoffen und Energiekosten sowie für den Klimaschutz“, betont Georg Dasch, 1. Vorsitzender des Sonnenhaus-Institut e.V. „Es bietet nicht nur Bauherren eine Chance, sich ein Stück weit von Energieversorgern unabhängig zu machen, sondern hat auch ein großes Potenzial für die politische Umsetzung der Energie- und Wärmewende.“

Seit der Einweihung des ersten rein solar beheizten Einfamilienhauses vor 29 Jahren wurden über 2.000 Sonnenhäuser gebaut. Seit etwa drei Jahren verzeichnet das Sonnenhaus-Institut große Zuwächse im Geschosswohnungsbau. „Je größer die Anlage, desto besser ist die Wirtschaftlichkeit. Dieses Argument dürfte immer mehr Bauherren und Wohnungsunternehmen dazu bewegen, auf die solare Energieversorgung zu setzen“, erklärt Dasch die Entwicklung. Neben den Vorreiterprojekten von Josef Jenni in der Schweiz gibt es auch in Deutschland zahlreiche Mehrfamilienhaus-Projekte (siehe Aufzählung unten).

Je größer die Anlage, desto besser die Wirtschaftlichkeit

Ein aktuelles Beispiel ist das „Solar-Domizil“ der FASA AG in Chemnitz. Insgesamt 317 Quadratmeter Solarkollektoren werden die Hälfte des Wärmebedarfs für 30 Wohnungen mit rund 3.000 Quadratmeter Wohnfläche im Solardomizil I und II solar erzeugen. In Heilbronn hat KHB-Creativ Wohnbau ein Mehrfamilienhaus mit sechs Wohnungen errichtet, bei dem Solarthermie und Photovoltaik Energie für Wärme, Strom und E-Mobilität erzeugen. Und auch die beiden „vernetzten energieautarken Mehrfamilienhäuser“, die in Cottbus kurz vor der Fertigstellung sind, gehen auf das Sonnenhaus-Konzept zurück.

Dank großer Solarthermie- und Photovoltaikanlagen sowie Wärme- und Stromspeichern werden die Energiekosten so gering sein, dass der Bauherr, die Wohnungsgenossenschaft eG Wohnen 1902, seinen Mietern eine Pauschalmiete mit Energie-Flatrate anbieten kann – zunächst für fünf Jahre, bei guten Erfahrungen soll sie auf zehn Jahre verlängert werden. In Wilhelmshaven ist ein ähnliches Bauprojekt, ebenfalls mit Pauschalmiete, kurz vor der Fertigstellung. Das innovative Modell hat Prof. Timo Leukefeld, Mitglied im Vorstand des Sonnenhaus-Instituts, entwickelt.

Vorreiter beim Heizen mit Photovoltaik und Wärmepumpe

„Auch beim Heizen mit Photovoltaik und Wärmepumpe sind wir Vorreiter“, behauptet der 1. Vorsitzender des Sonnenhaus-Instituts Georg Dasch. Dabei hebt sich das Konzept des Sonnenhaus-Instituts von den im Markt gängigen Anlagensystemen ab. Denn bei Sonnenhäusern sorgt die von Mitgliedern entwickelte Steuerung Creativ-Manager dafür, dass für den Betrieb der Wärmepumpe auch tatsächlich Solarstrom genutzt wird. Solarstrom, der gerade nicht verbraucht werden kann, wird als Wärme im größer dimensionierten Wärmespeicher vorgehalten. „Wir werden neue Konzepte für die Zukunft entwickeln“, benannte Dasch ein Ziel des Sonnenhaus-Instituts. Dabei soll auch das klassische Sonnenhaus-Konzept mit einer großen Solarthermie-Anlage und einer Holzfeuerung für die Nachheizung seinen Stellenwert behalten.

Berichte über Sonnenhäuser bei der IVV:
Sonnenhäuser speichern Wärme in 48.000 Litern Wasser (MFH der eG Wohnen 1902)
Pauschalmiete und Energie-Flatrate in zwei energieautarken MFH (Wohnungsgenossenschaft Cottbus)
Regenerative Technik muss nicht kompliziert sein (KHB-Creativ Wohnbau)
Das 1.000ste Sonnenhaus (2011)

Besonderer TIPP: In der aktuellen Ausgabe der IVV immobilien vermieten & verwalten lesen Sie einen ausführlichen Bericht über das energieautarke Mehrfamilienhaus in Wilhelmshaven - einem Leuchtturmprojekt für die regenerative Energieversorgung. >> Inhaltsverzeichnis IVV Ausgabe 02/2019 ansehen
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Suchbegriffe: Energie sparenSonnenhaus

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