Reform des Wohnungseigentumsgesetz

Vernachlässigte Wohnungseigentumsanlagen oft in der Hand von Wohnungseigentümergemeinschaften (WEGs)

16.04.2019

Verwahrloste und vernachlässigte Wohnungseigentumsanlagen - Schrottimmobilien oder soziale Brennpunkte - gibt es inzwischen in vielen Städten Deutschlands. Allerdings wird nicht wahrgenommen, dass sie in der Hand von Wohnungseigentümergemeinschaften (WEGs) liegen. Es gibt, laut Verbraucherschutzverband Wohnen im Eigentum, Handlungsbedarf, zum Beispiel bei der Reform des Wohnungseigentumsgesetzes.

Ein 60er Jahre Bau sieht ziemlich heruntergekommen aus, vorm mehrstöckigen Haus liegen stapelweise alte Paneele.
Verbraucherschutzverein Wohnen im Eigentum mit Studie zu Schrottimmobilien in den Händen von Wohneigentümergemeinschaften WEG. FOTO: ADOBESTOCK/ LUNGHAMMER

Viele verwahrloste und vernachlässigte Wohnungseigentumsanlagen in der Hand von WEGs haben sich in soziale Brennpunkte oder sogar Schrott-Immobilien verwandelt und entwickeln sich weiter dahin, sind sehr beständig und „kontaminieren“ ihr Viertel auf Jahrzehnte. Die WEGs schaffen es nicht aus eigener Kraft, sich aus der Abwärtsspirale zu lösen. Es fehlen Instrumente im Wohnungseigentumsgesetz und in anderen Gesetzen sowie für den Krisenfall bewährte und bekannte Problemlösungsstrategien.

Studie„Mahnmale der Immobilienspekulation und Vernachlässigung“

In der Studie stellt Wohnen im Eigentum den Entwicklungsweg von neun WEGs zur Schrottimmobilie oder zum sozialen Brennpunkt vor und weist auf Gesetzmäßigkeiten hin, die Strukturprobleme erkennen lassen. Einige dieser Anlagen (Kerpen, Dortmund, Gladbeck u.a.) wurden inzwischen zwangsgeräumt und müssen abgerissen werden mit hohen Kosten für den Steuerzahler und herben Verlusten für die Eigentümer.

In anderen WEGs (Köln, Münster u.a.) hat sich eine komplexe, schwierige Eigentümer- und Bewohnerstruktur herausgebildet. Aus den Erkenntnissen der Beispielsammlung werden Diskussionsvorschläge und erste Schritte für die Problemlösung – Auflösung oder Wieder-Inwertsetzung der Anlage – entwickelt, auch mit dem Ziel, dass sich solche Anlagen nicht „vermehren“.

Immobilienspekulation ausbremsen, Untergemeinschaften regeln

Wohnen im Eigentum fordert: Die Immobilienspekulation bei der Umwandlung und dem Neubau von WEGs ist auszubremsen - nicht nur, indem für eine gewisse Zeit die Umwandlung von Miet- in Wohnungseigentum in bestimmten angesagten Wohnquartieren der größten Städte untersagt oder verboten wird, sondern auch, indem bereits im WEGesetz Vorgaben für eine geregelte Umwandlung gerade unsanierter Mietwohnungen gemacht werden. Bisher gibt es keine Vorgaben hierzu.

Ebenso ist es erforderlich, die häufige Praxis von Bauträgern zu regeln, wieder große WEGs mit deutlich mehr als hundert Wohnungen zu bauen - so kann stärker verdichtet gebaut werden - und sie durch die Schaffung von Untergemeinschaften attraktiv zu machen. Da es keinerlei gesetzliche Vorgaben für Untergemeinschaften gibt, werden hier die Probleme der Zukunft – und zwar hochkomplexe Probleme – geschaffen, die dann später von den Eigentümern und den Steuerzahlern zu bezahlen sind. „Wirkungsvolle Lösungsansätze, um Entwicklungen zu Schrott- oder Problemimmobilien vorzubeugen, können nur gelingen, wenn diese Immobilien als WEGs sichtbar und eine Vielzahl an Sanierungsmaßnahmen miteinander kombiniert werden“, erklärt Gabriele Heinrich, Vorstand von Wohnen im Eigentum. „Daran müssen sich viele Akteure beteiligen.“

Die Studie kann kostenlos auf der Website von WiE heruntergeladen werden.

Suchbegriffe: Reform WEG-RechtWEGWEG-GesetzWohnen im Eigentum e.V.

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