Stadtflucht

Vom Land in die Stadt und zurück

In den vergangenen 30 Jahren war vor allem von der Landflucht die Rede. Junge Menschen zog es in die Stadt, um zu studieren und dort zu arbeiten, sich zu verwirklichen, denn auf dem Land waren die Möglichkeiten meist sehr beschränkt. Die ländliche Infrastruktur tat ihr Übriges. Die Einwohnerzahl kleiner Städte und Gemeinden schrumpfte zusehends, zurück blieben die Alten. Den demografischen Wandel konnte man hautnah miterleben. Ganze Landstreiche verwaisten.

Ansicht eines Dorfes von oben (Foto: reindesign-sn/stock.adobe.com)
Ansicht eines Dorfes von oben (Foto: reindesign-sn/stock.adobe.com)

Nun scheint sich eine Trendwende abzuzeichnen. Die Mieten in den Großstädten explodieren. Aber auch in attraktiven Gegenden wie an der Ostsee kennen die Preise des Wohnungsmarktes nur eine Richtung: nach oben. Großstädter sind zunehmend von dieser Entwicklung genervt und wollen nicht mehr ausschließlich für den Lebensunterhalt arbeiten gehen. Arbeiten, um zu leben, statt Leben, um zu arbeiten setzt sich mehr und mehr in den Köpfen der kreativen Ü-30-Generation durch, die einst in die Stadt kam.

Gemeinschaftsprojekte fördern das Zusammenleben

In einem Alter, in dem man Familien gründet, ändern sich die Prioritäten. Laut und wild wird gerne gegen ruhig und grün eingetauscht. Da Bauen oder Wohnen in der Stadt jedoch teuer geworden ist, zumal für das Eigenheim innerstädtisch meist der Baugrund fehlt, zieht es diese Generation zunehmend in ländlichere Gegenden. Die einen bleiben bei einem Umzug aufs Land in ihren ursprünglichen Jobs und pendeln künftig zum Arbeiten in die nahe Großstadt. Andere wechseln mit den Prioritäten ihren Job, den sie an die gegebenen Umstände anpassen. So werden sie Landarzt, Lehrer, gründen kleine Firmen oder verdienen ihr Geld im Handwerk. Oftmals richten sie sich ein Home Office in ihrem neuen Domizil ein, so dass der tägliche Weg ins Büro nicht mehr nötig ist.

Wer aus der Stadt aufs Land zieht, ist einen höheren Versorgungsstandard gewohnt. Man überlegt, wie man liebgewonnene Lebensstandards aus der Stadt aufs Land übertragen kann. Ausgediente Fabriken und Bauernhöfe scheinen perfekte Immobilien für die Ansprüche der jüngeren Generation zu sein. Baufällige Gebäude sind günstig zu erwerben, können in der Gemeinschaft saniert und dadurch einer neuen Nutzung zugeführt werden. In solchen Projekten entstehen mehrere Wohnungen, Cafés, kleine Läden und Räume für Kultur geschaffen werden, die nicht nur den Bewohnern zugutekommen, sondern auch den Nachbarn auf dem Land.

Neue Jobs durch bessere digitale Infrastruktur auf dem Land

Um das Landleben weiter attraktiv zu machen, muss vor allem die digitale Infrastruktur ausgebaut werden. Andreas Scheuer (CSU), Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, forderte erst kürzlich von den Kommunen mehr Tempo beim Ausbau des mobilen Internets. Es gibt zu viele weiße Flecken in Deutschland, denn schon unter Alexander Dobrindt (CSU) hatte man den digitalen Anschluss auf dem Land verschlafen. Die digitale Arbeitswelt ermöglicht dynamische Arbeitsplätze, die nicht mehr ortsgebunden sind.

Schafft man endlich den Sprung auf mindestens 4G oder gar 5G, eröffnen sich auf dem Land neue Jobmöglichkeiten. Coworking Spaces könnten entstehen, in denen sich Digitalisten zum kreativen Arbeiten und Austausch treffen. Ungenutzte Immobilien, die lange Zeit leer standen, können einer neuen Verwendung zugeführt werden. Dadurch würde nicht nur mehr Leben in die Dörfer einziehen, sondern die Gemeinden durch Sanierungen der Bestandsgebäude eine optische und durch den Zuzug eine finanzielle Aufwertung erfahren. Denn wo Jobs sind, ist auch das Geld. Die Kommunen und Gemeinden müssen im Gegenzug Baulandoffensiven starten. Kommt Bewegung in die Dörfer, werden sich Investoren für die Standorte interessieren.

Für die zurückgebliebenen Städter bietet die Stadtflucht ebenfalls einen entscheidenden Vorteil: Der Wohnungsmarkt in der Stadt entspannt sich, die Städte werden leerer und das Leben dort ebenfalls ein wenig ruhiger. Doch bis jetzt ziehen vor allem junge Leute zwischen 18 und 24 Jahren immer bevorzugt in die Stadt aufgrund der sich bietenden beruflichen Perspektiven. 

weiterlesen:
IVV-Fachartikel: Junges Wohnen im Land der Häuslebauer
Trend hin zum gemeinschaftlichem Leben auf dem Lande?

IVV-Serie "Wohnen der Zukunft weitergedacht":
„Nachhaltigkeitsansätze greifen bislang zu kurz“ (aus IVV 01-02/21)
Bezahlbares, altersgerechtes Wohnen in Kulmbach (aus IVV 03/21)
KoDörfer machen Lust auf das Landleben (aus IVV 04/21)

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