Kolumne

Handwerker versus Eigentümer

Menschen, die alles besser wissen, sind nervig. Eigentümer nicht ausgenommen. Da wollte ein befreundeter Wohneigentümer einfach mal so eine Aufgabe des WEG-Verwalters - das Enholen von Angeboten - übernehmen, und scheiterte.

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Verwalter-Alltag: Viel Bürokram, viel Recherche Bild: Adobestock/ BullRun
Verwalter-Alltag: Viel Bürokram, viel Recherche Bild: Adobestock/ BullRun

Letzte Woche habe ich einen Freund nach vielen Jahren wieder persönlich sprechen können. Was er mir aber nach kurzer Wiedersehensfreude erzählte, hat mich emotional aufgewühlt. Er ist Eigentümer einer Wohnung. Auf der letzten Eigentümerversammlung wurde der Verwalter aufgefordert, für einige Reparaturen Angebote einzuholen. Nachdem dies meinem Freund – übrigens auch Beirat der WEG – zu lange dauerte und er vom Verwalter die seiner Meinung nach „üblichen Ausflüchte“ zu hören bekam, machte er sich selbst ans Werk.

„Der Verwalter dreht doch nur Däumchen“, dachte er sich wohl. Als gestandener Manager eines mittleren Industrieunternehmens ging er engagiert zu Werke und forderte bei mehreren Unternehmen Angebote für die anstehenden Arbeiten an.

Was er dabei erlebte, beschrieb mein Freund kurz und knapp mit den Worten: „Wahnsinn. Das hätte ich mir im Traum nicht vorgestellt!“ Er hat bei den Handwerkern durchweg auf Granit gebissen, als sie hörten, dass der Auftragswert sich im unteren dreistelligen Bereich befindet. Und als die Firmen auch noch hörten, dass er mehrere Angebote zum Vergleich einholen wolle und überdies eigene Vorstellungen zur Durchführung, den Materialien und zum Ausführungstermin habe, sind bei diesen sprichwörtlich die Markisen runtergegangen.

Ergebnis: Viele Stunden intensiv geführter Telefonate, ein gehöriges Maß an Frustration bei meinem Freund und kein vorlegbares Angebot. Die Handwerker teilten dann meist auch noch mit, dass er sich seine Vorstellungen und Ansprüche doch gerne an den Hut stecken könne. Ob er denn die aktuelle Situation am Arbeitsmarkt nicht kennen würde.

Zerknirscht musste mein Freund bei seinem Verwalter seinen Misserfolg eingestehen. Das ihm dies alles andere als leicht fiel, ist vorstellbar.

Zwischenzeitlich hatte der Verwalter zumindest eine grobe mündliche Kostenschätzung vorlegen können und die Gemeinschaft konnte - ohne genaue Kenntnis der exakten Rechnungssumme - über die Auftragsvergabe entscheiden.

Dieses Verhalten von Handwerks- und Dienstleistungs-Unternehmen ist zwischenzeitlich völlig normal und wir Profis kennen und akzeptieren das. Wenn auch nur zähneknirschend. Aber so ist es nun einmal. Selbst meinem Freund ist die Einsicht gekommen: „Das wird mir eine Lehre sein und ich werde mich zukünftig zurückhalten mit meinen Äußerungen zum Job des Verwalters!“.

Eine gewisse Schadenfreude kann ich nicht verhehlen und wäre froh, wenn mehr Beiräte und Eigentümer diese Erfahrung machen würden.

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Michael Friedrich

Michael Friedrich
Hausverwalter, Autor, Der Verwalter-Berater
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Artikel Handwerker versus Eigentümer
Seite 6
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