Interview mit Züblin-Vorstand Markus Landgraf

„Wir wollen bis zum Jahr 2040 klimaneutral bauen“

Markus Landgraf ist seit Januar Vorstand der Ed. Züblin AG in Stuttgart, verantwortlich für die Zentrale Technik. Das Bauunternehmen hat zuletzt vor allem in Deutschland und Benelux mit 14.000 Mitarbeitern im Hoch- und Ingenieurbau über vier Milliarden Euro umgesetzt. Der 52-jährige Bauingenieur erklärt, wo das Unternehmen in Sachen Nachhaltigkeit aktuell steht.

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 Bild: Züblin/Niels Schubert
Bild: Züblin/Niels Schubert
Herr Landgraf, was sind die Hindernisse CO2-reduziert zu bauen? Wir brauchen Bauherren, die ihr Projekt nachhaltiger umsetzen möchten. Oftmals mangelt es noch am Bewusstsein und technischen Wissen potenzieller Auftraggeber für all diese, zugegebenermaßen komplexen Themen. Zum anderen hat die Politik lange Zeit andere Prämissen gesetzt, etwa besonders hohe Sicherheitsstandards. Viele Normen sind veraltet und neue Entwicklungen noch nicht rechtssicher einsetzbar. Hier muss deutlich mehr Geschwindigkeit aufgenommen werden. Wie wollen Sie diese Hindernisse beseitigen? Wir wollen unser Know-how und unseren Einfluss in der Branche nutzen, um schneller zu einem ressourcenschonenden, klimaneutralen Bauwesen zu kommen. Der Züblin-/Strabag-Konzern hat seit 2021 eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie fest verankert und mit konkreten Maßnahmen und ehrgeizigen Zielen hinterlegt: Wir wollen bis 2040 klimaneutral sein. Intelligentes und nachhaltiges Bauen beginnt bei der Planung, weshalb wir diesen Bereich massiv ausgebaut und weitere Kompetenzen erworben haben. Bei Züblin liegt der Fokus auf der Beratung unserer Kunden. Das hat Tradition, weil wir schon immer Alternativen offeriert haben, wie man effizienter, langlebiger oder schneller bauen kann. Mittlerweile rücken wir bei unserer Beratung die Nachhaltigkeit und den Lebenszyklus eines Bauwerks in den Fokus: Wie können wir für unsere Kunden ökologischer bauen und langfristig Kosten vermeiden? Was hilft Ihnen dabei? Aktuell fast alles: Die EU-Taxonomie, die Pariser Klimaziele, die CO2-Steuer, der Baustoff- und Fachkräftemangel und die wachsende Bereitschaft vieler Entscheider, angesichts der Zukunftsszenarien jetzt endlich Verantwortung zu übernehmen und zu handeln. Woran arbeitet Ihr Haus aktuell vorrangig? Wir investieren in Photovoltaik, stellen unseren Fuhrpark auf E-Antriebe um, optimieren und digitalisieren unsere Bauprozesse, achten bei der Logistik auf Regionalität und vieles mehr. Zudem kooperieren wir mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen im Bereich nachwachsender Baumaterialien und neuer Verfahren, um zum Beispiel durch veränderte Konstruktion und Einsatz von Ingenieur-Know-how bei Beton die Hälfte an CO2 zu reduzieren. Es gibt Projekte, bei denen wir als Generalunternehmen 80 Prozent des Abrissmaterials wiederverwerten und den Neubau komplett kreislauffähig errichten. Das erworbene Wissen und Können tragen wir dann in die Breite unserer Belegschaft. Wie setzt sich die CO2-Bilanz von Züblin anteilig zusammen? Damit beschäftigen sich unsere Fachleute. Etwa auch, wie viele Bagger, Radlader oder Lkw wir betreiben und wie viel hunderttausend Liter Diesel wir dafür pro Monat verbrauchen. Ziel ist es, genau solches Wissen zu bündeln, in die Breite zu tragen und Maßnahmen abzuleiten wie etwa spritsparende Bedienung, Regionalität in der Logistik oder Umrüstung auf Elektromobilität. In unserer Verwaltung wollen wir bis 2025 klimaneutral sein. Und da etwa 70 Prozent unserer Wertschöpfung externe Nachunternehmen und Lieferanten erbringen, insbesondere im Bereich Baumaterial, erfassen wir auch hier entlang der gesamten Wertschöpfungskette zunehmend alle Emissionen und setzen uns Ziele, diese Emissionen zu reduzieren. Erleben Sie regionale Unterschiede? Was das Bewusstsein angeht, gibt es da ganz sicher innerhalb Europas ein Nord-Süd-Gefälle. Deutschland und Benelux, wo Züblin überwiegend tätig ist, erlebe ich jedoch diesbezüglich als homogenen Markt. Wo steht Nachhaltigkeit im Ranking Ihrer Herausforderungen? Ganz sicher und mit Abstand auf Platz eins. Allerdings eng damit verknüpft ist die weitere Umsetzung der Digitalisierung, die uns in diesem Kontext viele Chancen ermöglicht. Ich nenne nur das Building Information Modelling (BIM), das etwa dokumentiert, was wo im Gebäude verbaut wurde. Damit wird das Bauwerk zum Materiallager und dieses digitale Archiv all dieser Bauwerke liefert uns bei deren Demontage in 50 Jahren wichtige Informationen, was wo wiederverwendet werden kann.

Das Gespräch führte Leonhard Fromm.

Es gibt Projekte, bei denen wir 80 Prozent des Abrissmaterials wiederverwerten und den Neubau komplett kreislauffähig errichten.

Markus Landgraf

Züblin-Vorstand

Redaktion (allg.)

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Seite 35
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