Nach den Zahlen im aktuellen NRW-Wohnungsnotfallbericht sind erstmals mehr Menschen in den Landkreisen (63 Personen pro 10.000 Einwohner) als in den kreisfreien Städten (55 Personen) unter den insgesamt rund 109.000 Wohnungslosen in NRW gezählt worden. Und das Problem werde größer: Die 40 Beratungsstellen für Wohnungslose, die der LWL in Westfalen-Lippe finanziere, sprechen von einem Anstieg von neun Prozent auf rund 20.000 Klienten pro Jahr innerhalb eines Jahres (alle Zahlen von 2023).„Menschen ohne Wohnung gibt es im ländlichen Raum ebenso wie in den großen Städten. Die Wohnungslosigkeit ist auf dem Land nur weniger sichtbar, weil Menschen eher bei der Familie oder Freunden schlafen und nicht auf der Straße leben“, so der Direktor des LWL, Dr. Georg Lunemann.
Der Verband geht das Problem mit dem Housing First Konzept an: Menschen mit sogenanntem „komplexen Hilfebedarf“ wird zunächst eine Wohnung mit langfristigem Mietvertrag beschafft, bevor psychosoziale Hilfen greifen. Der LWL unterstützt Vermieter beim Neubau oder dem Erwerb von Wohnungen mit bis zu 40.000 Euro, wenn dort wohnungslose Menschen einziehen können. Wenn bestehende Wohnungen saniert werden, fördert der LWL ebenfalls mit bis zu 30.000 Euro, für bezugsfertige Wohnungen gibt es eine Prämie von bis zu 5.000 Euro. Außerdem sichert der LWL Mietausfälle oder Schäden ab. Im Ernstfall werden bis zu sechs Monatskaltmieten für die Instandsetzung oder bei Zahlungsunfähigkeit der Klienten gezahlt. Um das Programm in Westfalen-Lippe flächendeckend anzuwenden, stellen LWL und LWL-Sozialstiftung bis 2027 sechs Millionen Euro bereit. Bislang hat der LWL in 24 Monaten 56 Wohnungen vermittelt.
Das sagt ein Vermieter
Den neuen Mietern wird nach der „Wohnung zuerst“ in einem zweiten Schritt Unterstützung durch Sozialarbeiter angeboten.Dass diese Betreuung zusätzliche Sicherheit gibt, registrierten auch die Vermieter– wieVolker Eickhoff aus dem Kreis Minden-Lübbecke: „Was mich daran fasziniert hat, war die Zusage, dass die, denen man eine Chance auf eine Wohnung gibt, in jeglicher Form betreut werden. Da sagt jemand zum Mieter: Ich komme dich jetzt jede Woche einmal besuchen und gucke nach, wie das bei dir aussieht. Ich als Vermieter darf da gar nicht rein, wenn es irgendwelche Probleme gibt. Und ich muss ganz ehrlich sagen, das läuft bis heute optimal. Nicht wenig Stress –gar keiner.“(
Onlinebericht über das Konzept „Housing First“: Sicher Wohnen in Lebenskrisen
Redaktion (allg.)
◂ Heft-Navigation ▸













