Sanierungsbedarf | Stromkosten

Heizkosten und Strombedarf könnten ohne Gebäudesanierungen stark steigen

Sind energetische Sanierungen zusätzlich zur Dekarbonisierung der Wärme überhaupt noch notwendig? Im Zuge der Debatten zur EU-Gebäuderichtlinie (EPBD) und zur geplanten Novelle des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) wird dies teilweise hinterfragt. Für eine bezahlbare Wärmewende bräuchte es deutlich mehr Tempo bei der energetischen Gebäudesanierung - so das Ergebnnis einer Studie des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) im Auftrag der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz (DENEFF).

Für die Sanierung, beispielsweise den Einbau einer neuen Heizungsanlage, muss ersteinmnal Geld ausgegeben werden. Letzten Endes kann die Energiekostenersparnis in der Zukunft aber erheblich sein - und es nützt dem Klima und dem Menschen. Bild: Picture Alliance/ SULUPRESS.DE
Für die Sanierung, beispielsweise den Einbau einer neuen Heizungsanlage, muss ersteinmnal Geld ausgegeben werden. Letzten Endes kann die Energiekostenersparnis in der Zukunft aber erheblich sein - und es nützt dem Klima und dem Menschen. Bild: Picture Alliance/ SULUPRESS.DE

Effizienz würde Mieter:innen und Eigentümer:innen effektiv vor Energiepreis-Anstiegen schützen

Bei einem lang anhaltenem Sanierungsstau, drohen hohe zusätzliche Strombedarfe und damit Milliardenkosten für Haushalte und Netze. Im Fokus der Studie standen die wirtschaftlichen Auswirkungen von (ausbleibenden) energetischen Sanierungen, sowohl für einzelne Haushalte als auch für die Volkswirtschaft insgesamt.

Allein für dezentrales Heizen und Warmwasser – bei Häusern ohne Fernwärmeanschluss – würden 153 TWh Strom pro Jahr benötigt, wenn ab jetzt nicht weiter energetisch saniert wird. Zur Einordnung: Dies entspricht in etwa einem Drittel des heutigen Nettostromverbrauchs in Deutschland insgesamt. Sanierte Gebäude senken nicht nur den Energiebedarf, sondern dämpfen Lastspitzen im Winter, erhöhen die Netzflexibilität und reduzieren so den Netzausbaubedarf.

Energetische Sanierungen lohnen sich

Auch volkswirtschaftlich zeigt sich der Nutzen: Effizienzmaßnahmen stärken die regionale Wertschöpfung, sichern Arbeitsplätze und reduzieren Energieimporte. Bereits heute arbeiten rund 600.000 Menschen im Bereich der Gebäudesanierung.

Effizienz schützt Mieter:innen und Eigentümer:innen vor Energiepreisanstiegen. In einem unsanierten kleinen Einfamilienhaus, das mit einer Wärmepumpe beheizt wird, muss je nach Energiepreisentwicklung mit circa 60.000 bis 120.000 Euro reinen Energiekosten bis 2045 gerechnet werden. Wird auf das Niveau Effizienzhaus 70 saniert, können die Energiekosten um zwei Drittel sinken, bei einem Effizienzhaus-55-Niveau sogar auf nur noch ein Viertel.

Aktuell können sich auch ambitionierte energetische Sanierungen lohnen. Es kommt jedoch neben dem konkreten Gebäude auf die Ausgestaltung sowie die finanziellen und regulatorischen Rahmenbedingungen der Modernisierung an. Zudem rechnen sie sich vor allem dann, wenn ohnehin Instandhaltungsmaßnahmen anstehen. Denn im Rahmen von energetischen Sanierungen entfallen je nach energetischem Niveau nur 30 bis 60 Prozent der Kosten tatsächlich auf die zusätzlichen energetischen Maßnahmen.

Mehr Infos: Die Rolle der Gebäudeeffizienz für die Wärmewende (extern)

Quelle: Institut für ökologische Wirtschaftsforschung GmbH (IÖW)

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