Kein Geld, keine Ahnung oder keine Sorgen

Klimaschutz für alte Hausbesitzer kein Thema

Beim Klimaschutz sind Alt und Jung gespalten. Während junge Menschen ihre Furcht vor dem Klimawandel in der Fridays for Future-Bewegung artikulieren, sehen die meisten Senioren kaum Grund, ihre alten Immobilien energetisch zu sanieren. Viele haben schlicht kein Geld dafür. 55 Prozent lehnen eine Sanierung kategorisch ab.

Der energetische Zustand des Eigenheims sorgt nur wenige Senioren. Und für den Klimaschutz zu investieren kommt nur für ganz wenige in Frage. Foto: Adobestock/Ingo Bartussek
Der energetische Zustand des Eigenheims sorgt nur wenige Senioren. Und für den Klimaschutz zu investieren kommt nur für ganz wenige in Frage. Foto: Adobestock/Ingo Bartussek

Das ist die Quintessenz einer Umfrage des Instituts YouGov unter 1.004 Personen ab 60 Jahre, die im selbstgenutzten Eigentum wohnen. In Auftrag gegeben wurde die repräsentative Befragung von der Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft (GNIW); sie bietet Modelle zur Immobilienverrentung an, kauft also Immobilien und bietet den Verkäufern im Gegenzug ein lebenslanges Mietrecht.

Nur neun Prozent der Senioren planen eine energetische Sanierung

73 Prozent der deutschen Senioren mit selbst genutztem Wohneigentum leben in Immobilien, die vor 1989 gebaut wurden – 39 Prozent der Immobilien sind sogar vor 1969 erbaut worden. Trotz dieses alten Bestandes planten nur neun Prozent der Befragten eine Sanierung ihrer Immobilie. Während 28 Prozent der Befragten aus finanziellen Gründen auf Sanierungsmaßnahmen verzichteten, lehnten 55 Prozent eine Sanierung kategorisch ab.

Das Motiv Klimaschutz treibt nur zwei Prozent um

Obwohl insgesamt 37 Prozent der Befragten glauben, dass ihre Immobilie zukünftig an Wert verlieren wird, gingen nur sieben Prozent davon aus, dass das aufgrund des energetischen Zustands ihrer Immobilie der Fall sein werde. Auch der Umzug in eine energieeffizientere Immobilie sei für eine überwältigende Mehrheit kein Thema. Lediglich 14 Prozent könnten sich unter bestimmten Umständen einen Umzug vorstellen – das Motiv Klimaschutz treibe dabei nur zwei Prozent um. Und auch beim Kauf einer neuen Immobilie wären nur 33 Prozent der Befragten bereit, mehr Geld für einen besseren energetischen Zustand zu investieren.

Ein Viertel hat das Eigenheim niemals sanieren lassen

Mehr als ein Drittel (35 Prozent) der Befragten gab an, dass die letzte Sanierung ihrer Immobilie mehr als zehn Jahre zurückliege. Bei 23 Prozent habe sogar noch nie eine Sanierung stattgefunden. Innerhalb der zurückliegenden fünf Jahre nahmen nur 23 Prozent der Befragten eine Sanierung ihres Eigenheims vor.

Ganz oben auf der Wunschliste der Befragten stehe der Austausch beziehungsweise die Modernisierung der Heizung – 47 Prozent würden diese Maßnahme bei ausreichendem finanziellem Spielraum durchführen.

Am wahrscheinlichsten ist der Austausch der Heizung

Weitere beliebte Sanierungsmaßnahmen seien der Austausch der Fenster (34 Prozent), eine Dacherneuerung (26 Prozent) sowie die Dämmung der Fassade (24 Prozent) und der oberen Geschossdecke (23 Prozent). Bei dringendem Sanierungsbedarf an der eigenen Immobilie würden 45 Prozent der Befragten auf ihre Ersparnisse zurückgreifen. Für 21 Prozent käme die Aufnahme eines Kredits infrage.

„Der Wert einer Immobilie wird zukünftig über die Energieeffizienzklasse bestimmt, das wird von vielen Senioren stark unterschätzt. Ein Großteil weiß allerdings gar nicht, wie ineffizient ihr Gebäude ist und was in den kommenden Jahren vonseiten des Gesetzgebers auf sie zukommt. Eine Verbesserung des Energiestandards der eigenen Immobilie plant daher kaum jemand, auch weil häufig die finanziellen Mittel fehlen“, erklärt Dr. Henryk Seeger, Geschäftsführer der GNIW.

Thomas Engelbrecht

Thomas Engelbrecht
Chefredakteur
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