Entwicklung des Heizungsmarktes 2022

Modernisierung heißt alte Ölheizung gegen neue Ölheizung

Beim Blick auf Klimaschutz und Heizungsmarkt in Deutschland muss man deutlich zwischen der Erstausrüstung von neuen Wohngebäuden und dem Ersatz von Heizungsanlagen in Bestandsgebäuden unterscheiden. Während in Neubauten fast nur noch regenerative Anlagen eingebaut werden, wird der Ersatzmarkt von fossiler Technik dominiert. Die Verkaufsstatistik für Gas- und Ölheizungen zeigt: die Wärmewende braucht Jahrzehnte.

Lieferung von Heizöl: Private Immobilienbesitzer halten bei der Modernisierung von Heizungen vielfach an Erdgas und Öl fest. Foto: Adobestock/VRD
Lieferung von Heizöl: Private Immobilienbesitzer halten bei der Modernisierung von Heizungen vielfach an Erdgas und Öl fest. Foto: Adobestock/VRD

Entwicklung der Heizungstechnik in Neubauten

Der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) und der Bundesverband Wärmepumpe (BWP) verbreiten dieser Tage eine Erfolgsmeldung über die Marktentwicklung 2022. Die Wärmepumpe sei mit einem Plus von 53 Prozent gegenüber dem Vorjahr die prozentual am stärksten wachsende Technologie im deutschen Heizungsmarkt. In absoluten Zahlen seien im Jahr 2022 in Deutschland insgesamt 236.000 Wärmepumpen in Verkehr gebracht worden.

Bereits Anfang September 2022 veröffentlichte das Statistische Bundesamt dazu passende Zahlen aus dem Heizungsmarkt. Heizen mit Gas verliere beim Planen neuer Wohngebäude in Deutschland zunehmend an Bedeutung. Nach den Marktdaten des Statistischen Bundesamtes sollten nur noch 16,2 Prozent der im 1. Halbjahr 2022 rund 60.200 genehmigten Wohngebäude primär mit Gas geheizt werden. Im 1. Halbjahr 2021 hatte noch rund ein Viertel (25,5 %) der 68.000 genehmigten Wohngebäude eine Gasheizung vorgesehen, im 1. Halbjahr 2019 waren es noch 39,9 Prozent. Damit habe sich die Anzahl der genehmigten Wohngebäude mit Gas als primär genutzter Energiequelle im 1. Halbjahr 2022 gegenüber dem 1. Halbjahr 2019 mehr als halbiert. Mit der Abkehr vom Gas setze sich ein seit Längerem andauernder Trend fort.

Zugleich werde immer stärker auf die Nutzung erneuerbarer Energieträger gesetzt:

In fast drei Viertel (73,7 %) der im 1. Halbjahr 2022 genehmigten Wohngebäude soll primär damit geheizt werden. Im 1. Halbjahr 2021 waren es noch 64,7 Prozent und im 1. Halbjahr 2019 knapp die Hälfte (49,9 %).

Ein Grund für den Trend hin zu Erneuerbaren dürften gesetzliche Regelungen sein wie das Gebäude-Energie-Gesetz (GEG), das 2020 in Kraft trat und bis dahin bestehende ähnliche Gesetze ablöste. Dieses schreibt vor, dass der Wärme- und Kälteenergiebedarf eines Neubaus zumindest anteilig aus Erneuerbaren Energien gespeist wird. Auch staatliche Förderprogramme für Energieberatung, Zuschüsse zu entsprechenden Bauvorhaben oder Darlehen setzten entsprechende Anreize.

Auch bei den fertiggestellten Wohngebäuden in Deutschland habe der Anteil der Heizungen mit Gas als primärer Energiequelle kontinuierlich abgenommen. Im Jahr 2021 wurde in 34,3 Prozent der Neubauten der konventionelle Energieträger Erdgas eingesetzt. 2020 hatte der Anteil noch bei 39,0 Prozent und 2019 bei 41,9 Prozent gelegen. Mehr als die Hälfte (55,1 %) der im Jahr 2021 fertiggestellten Wohngebäude werden ganz oder teilweise mit erneuerbaren Energien beheizt.

Entwicklung der Heizungstechnik im Ersatzmarkt

Im Gesamtmarkt für Heizungstechnik dominiert in absoluten Zahlen die Gasheizung. Nach den Angaben des BDH wurden von Januar bis Oktober 2022 503.500 Gas-Wärmeerzeuger abgesetzt – ein Rückgang von neun Prozent. Da Gastechnik wie gesehen im Neubaumarkt nur noch wenig Gewicht hat, zeigt sich, welche Bedeutung Erdgas nach wie vor bei der Heizungsmodernisierung hat. Geradezu überraschend ist die Tatsache, dass nach der Statistik des BDH Ölbrenner mit 45.500 verkauften Stück ein Plus von 18 Prozent erreichten. Trotz der mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine heftiger ausgetragenen Diskussion um ein Ende fossiler Energieträger haben also Immobilieneigentümer alte Ölheizungen verstärkt gegen neue Ölheizungen ausgetauscht. Das deutet darauf hin, dass insbesondere private Immobilieneigentümer zuerst auf die Wirtschaftlichkeit achten und die Themen CO2-Neutralität und Nachhaltigkeit von untergeordneter Bedeutung sind.

Thomas Engelbrecht

Thomas Engelbrecht
Chefredakteur
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