Neben der Wohnungswirtschaft fordert jetzt auch der Paritätische Wohlfahrtsverband ein Mieten-Moratorium

Die einkommensärmsten Mieter und Mieterinnen müssen aktuell 42,6 Prozent ihres Einkommens allein für die Wohnkosten aufbringen, teilte das Statistische Bundesamt unlängst mit. Umgehende Maßnahmen zur Entlastung mahnte der Verband von der Bundesregierung an und lädt zu einm bundesweiten Aktionstag für bezahlbaren Wohnraum am 8. Oktober auf.

In Großstädten und Metropolregionen haben selbst Durchschnittsverdiener Probleme eine Wohnung zu finden, die nur ein Drittel oder weniger als ein Drittel ihres Nettoeinkommens kostet. FOTO: M.Eisinger
In Großstädten und Metropolregionen haben selbst Durchschnittsverdiener Probleme eine Wohnung zu finden, die nur ein Drittel oder weniger als ein Drittel ihres Nettoeinkommens kostet. FOTO: M.Eisinger

Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes, sagte: "Das Gemisch aus explodierenden Lebenshaltungskosten und übermäßigem Einkommensverzehr durch Mietbelastung ist ein echtes Armutsrisiko."

Erhöhung des Wohngeldes

Der Verband geht davon aus, dass sich die Situation mit den steigenden Energiepreisen und der angekündigten Gasumlage noch weiter verschärfen wird. Es brauche daher dringend umfassende Hilfen für Menschen mit niedrigen Einkommen durch Anhebung und Ausweitung des Wohngeldes, aber auch einen Schutzschirm der Mieter:innen, damit niemand auf Grund steigender Kosten seine Wohnung verliert oder im Winter frieren muss. Mit einem Strom-, Energie- und Mietmoratorium müsse die Bundesregierung dafür sorgen, dass Mieter:innen vor diesem Schicksal bewahrt würden, so der Verband.

Bereits im Juli hatte der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft, GdW,  ein befristetes Kündigungsschutz-Moratorium gefordert. Es müsse eine individuell angemessene staatliche Unterstützung finanziell überforderter Haushalte eingerichtet werden, um die Energiepreisexplosionen sozial verantwortlich abzufedern.

Schneider mahnt Wiedereinführung der Wohngemeinnützigkeit an

Darüber hinaus müsse die überkommene Wohnungspolitik prinzipiell in Frage gestellt werden. "In Deutschland haben wir gerade noch einmal gut eine Million Sozialwohnungen und jedes Jahr fallen Zehntausende weiter weg. Von den versprochenen 100.000 neuen Sozialwohnungen pro Jahr ist die Bundesregierung meilenweit entfernt."

Man bräuchte wieder mehr bezahlbaren Wohnraum für alle, wodurch auch die Mittelschicht entlastet würde, denn: "Eine einfache und halbwegs zentrale Drei-Zimmer-Wohnung ist in vielen Städten selbst für Durchschnittsverdienende oft zu teuer und schwer zu bekommen", so Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes, weiter.

Er begrüße, dass die Bundesregierung laut Koalitionsvertrag die Wohngemeinnützigkeit wieder einführen wolle und mahnte eine schnelle Umsetzung an. Es brauche zudem dringend wirksame Mietpreisbegrenzungen durch einen Mietenstopp.

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