Wie wird der Wohnungsbestand in Deutschland besser?

Beengt wohnen Menschen in Metropolen. Meist sind dies ärmere Menschen und Familien mit Migrationshintergrund. In größeren Wohnungen leben dagegen vor allem ältere Bestandsmieter. Hohe Energiepreise setzen Anreize, von größeren in kleinere Wohnungen umzuziehen. An bezahlbarem Wohnraum mangelt es in ganz Deutschland. Das sind die Ergebnisse einer neuen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).

FOTO: M.Eisinger
FOTO: M.Eisinger

Die Zahlen des IW zeigen, dass dass etwa sechs Prozent der Mieterhaushalte in Großstädten in beengten Verhältnissen leben, also weniger Räume zur Verfügung haben als es Bewohner gibt.  Gleichzeitig wohnen ebenfalls sechs Prozent der Mieterhaushalte in großzügigen Wohnungen. Als großzügig gilt eine Wohnung, wenn die Zahl der Räume die der Bewohner um drei übertrifft – also etwa bei einem Single in einer Vier-Zimmer-Wohnung. 

Die Quote der zu beengt wohnenden Haushalte ist ein guter Indikator, um die Spannung im Wohnungsmarkt zu erfassen.

Neben Familien sind vor allem Haushalte mit Migrationshintergrund betroffen

Ein Fünftel von ihnen wohnen zu klein. Wegen der hohen Mieten können sich viele Familien einen Umzug in eine größere Wohnung nicht leisten. Hinzu kommt, dass Studierende immer später von zu Hause ausziehen. 

In großzügigen Wohnungen leben dagegen vor allem ältere Bestandsmieter. Viele ziehen auch dann nicht in kleinere Wohnungen, wenn die Kinder das Haus verlassen oder der Partner verstirbt. Weil das Verhältnis von beengt und großzügig wohnenden Haushalten ausgeglichen ist, zeigt sich hier ein Tauschpotenzial – zunächst aber nur in der Theorie. Denn für viele Bestandsmieter mit Altverträgen ist es günstiger, in einer größeren Wohnung zu bleiben, als in eine kleinere Wohnung mit teurerem Neuvertrag umzuziehen. 

Tauschportale gibt es wenige. In Berlin haben die sechs landeseigenen Wohnungsunternehmen solch eine Tauschbörse online gestellt. Bei der IVV nachlesen: Rechnet sich der Umzug für ältere Menschen?

Viele Wohnungsunternehmen haben sich in der Vergangenheit bereits bemüht, Wohnungstausche zu organisieren, allerdings mit geringen Erfolgen. Unter den neuen Rahmenbedingungen könnten die Chancen hierfür aber etwas besser sein. Allein dies wird jedoch nicht ausreichen, um dem Trend überbelegter Wohnungen entgegenzuwirken.

Bautätigkeit hochhalten, Dachausbauten und Aufstockungen fördern!

Ganz entscheidend ist es, die Bautätigkeit hochzuhalten, was aufgrund steigender Baukosten und zinsbedingt nachlassender Nachfrage schwierig ist. Zumindest sollten die Städte aber bei der Baulandausweisung nicht nachlassen. Darüber hinaus bedarf es verstärkt Maßnahmen, um im Bestand neue Wohnungen zu errichten. Neben Dachausbauten sollten auch Aufstockungen aktiv befördert werden, ebenso wie die Schaffung von Einliegerwohnungen, gerade bei selbstgenutztem Wohneigentum.

Unterstützung bei der Wohnungssuche steigern

„Die gestiegenen Energiepreise setzen Anreize, von größeren in kleinere Wohnungen umzuziehen“, sagt IW-Immobilienexperte Michael Voigtländer. „Die Bereitschaft sich zu verkleinern könnte durch Umzugshilfen und Unterstützungen bei der Wohnungssuche weiter gesteigert werden. Mit Maßnahmen, die Dachausbauten, Aufstockungen oder die Schaffung von Einliegerwohnungen erleichtern, kann die Politik ihren Teil dazu beitragen, den Wohnungsbestand in Deutschland besser zu nutzen.“

Hier können Sie sich die Kurz-Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) anschauen/ herunterladen (PDF, 3 Seiten).

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