Wohnraum schaffen mit Aufstockungen

In Deutschland fehlen derzeit grob geschätzt 400.000 Wohnungen. Vor allem in Schwarmstädten und Ballungszentren, zunehmend aber auch im Speckgürtel rund um die Metropolen, wird das Wohnen dadurch immer teurer. Deshalb kommt jetzt das Argument "Aufstockungen" in die Diskussion um das Schaffen von Wohnraum. Beim "Bauen auf bereits bebautem Grund" würde kein einziger Quadratmeter Bodenfläche neu versiegelt werden müssen.

Im Wohnungsbau zuhause: Robuste Nagelplattenbinder werden zum Bau von Dachtragwerken auf Sport- und Gewerbehallen, Supermärkten, Schulen, Ein- und Zweifamilienhäusern sowie aktuell verstärkt im mehrgeschossigen Wohnungsbau eingesetzt. Die schlanken, vergleichsweise leichten, dabei aber extrem belastbaren Tragwerkselemente bieten sich darüber hinaus für Aufstockungsprojekte in Ballungsräumen an. Foto: Achim Dathe für Krug Holzsystembinder/GIN
Im Wohnungsbau zuhause: Robuste Nagelplattenbinder werden zum Bau von Dachtragwerken auf Sport- und Gewerbehallen, Supermärkten, Schulen, Ein- und Zweifamilienhäusern sowie aktuell verstärkt im mehrgeschossigen Wohnungsbau eingesetzt. Die schlanken, vergleichsweise leichten, dabei aber extrem belastbaren Tragwerkselemente bieten sich darüber hinaus für Aufstockungsprojekte in Ballungsräumen an. Foto: Achim Dathe für Krug Holzsystembinder/GIN

Die Diskussion zur Entspannung des Wohnungsmarktes regen die Gütegemeinschaft Nagelplattenprodukte und der Interessenverband Nagelplatten an.

Aufstockung schneller als Neubau

Markterhebungen haben ergeben, dass in Großstädten etwa jedes vierte Bestandsgebäude on top ein zusätzliches Geschoss tragen kann, oftmals sogar zwei.

Für die verstärkte Nutzung von Bestandsgebäuden spricht, dass sich zusätzliche Wohnungen oftmals schneller durch Aufstockung als durch Neubaumaßnahmen auf der grünen Wiese herstellen lassen. Auch die Natur profitiert von der vorbildlich nachhaltigen Strategie, zuerst vorhandene Bausubstanz als Basis zu nutzen und die Tragfähigkeit des jeweiligen Objekts für eine Aufstockung zu prüfen, bevor man einen Neubau in Erwägung zieht. Dies gilt umso mehr, als für Aufstockungen mit Nagelplattenbindern kein einziger Quadratmeter Acker- oder Grünland planungs- und kostenintensiv erschlossen werden muss. Außerdem sind die hölzernen Fachwerkkonstruktionen sehr leicht und beaufschlagen den Bestand nur mit geringen zusätzlichen Lasten, was ebenfalls fürs Aufstocken mit Nagelplattenbindern spricht.

Förderungswürdigkeit des Bauens mit Holz

Wer sein Haus aufstocken, den Dachstuhl erneuern und das Dachgeschoss zu Wohnzwecken ausbauen will, sieht sich mit einer Vielzahl von Vorbedingungen konfrontiert, die erfüllt sein müssen, bevor es losgehen kann.

Dazu müssten zunächst die Landesbauordnungen (LBO) der Bundesländer überarbeitet werden. Um Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen an Bestandsgebäuden zu erleichtern, müssten Genehmigungsverfahren abgekürzt werden. So haben beispielsweise Berlin, Baden-Württemberg, Hamburg und Nordrhein-Westfalen die besondere Förderungswürdigkeit des Bauens mit Holz in ihren LBO bereits verankert. Entsprechendes erwägt gegenwärtig auch Rheinland-Pfalz. Bemerkenswert ist, dass im Gesetzentwurf aus Mainz die Möglichkeit zur Aufstockung von Bestandsgebäuden mit Holzprodukten ausdrücklich hervorgehoben wird.

Mindestens ein Geschoss "on top"

"Auf Flachdächern unzähliger Bestandsgebäude ist noch jede Menge Platz, um fachwerkartige Wände aus Holz sowie obenauf einen stabilen Dachstuhl aus Nagelplattenbindern zu errichten. Für solche Gebäudeerhöhungen sollten ausnahmslos alle Bundesländer die baurechtlichen Voraussetzungen gezielt vereinfachen und öffentliche Fördermittel in einer attraktiven Größenordnung bereitstellen.

Das dürfte investitionsbereite Bauherren und Wohnbauunternehmen am ehesten motivieren, etwas gegen den akuten Wohnungsmangel zu unternehmen. Unter diesen Voraussetzungen fiele es auch den Kommunen leichter, mehr Menschen, die es in die Großstadt zieht, eine Zukunftsperspektive zu bieten und bezahlbaren Wohnraum zu vermitteln.", bekräftigt Bodo Mierisch, Mitglied im Marketing-Ausschuss des Interessenverbandes Nagelplatten sowie Geschäftsführer bei Opitz Holzbau, einem im Mehrgeschossbau sehr erfahrenen Hersteller und Zulieferer gütegeprüfter Tragwerkskonstruktionen aus Neuruppin in Brandenburg.

Landauf, landab erkennen Städte und Kommunen die Notwendigkeit, Zuzug verstärkt durch öffentlich geförderte Aufstockungs- und Ausbaumaßnahmen zu ermöglichen. Gütegeprüfte Nagelplattenbinder-Konstruktionen sind für solche Bauvorhaben prädestiniert. Ob sich ein Bestandsgebäude um ein Geschoss oder gar zwei nach oben erweitern lässt, hängt dabei von den spezifischen Gegebenheiten vor Ort ab.

Erfreulich ist, dass die statische Bemessung jedes einzelnen Tragglieds der neu geplanten Holzkonstruktion mit Nagelplattenverbindungen von GIN-Mitgliedsunternehmen als Inklusivleistung angeboten wird. Auf dieser Grundlage kann schnell ein Konzept für die Lastableitung im Bestand gefunden werden.

Aufwertung von 60er- 70er-Bestandsgebäuden

Für die Errichtung eines zu Wohnzwecken ausgebauten Dachstuhls zum Beispiel auf einem privaten Bungalow, wie er in den 1960er und 1970er Jahren groß in Mode war, kommen sogenannte Studiobinder in Betracht, die GIN-Mitglieder maßgenau in ihren Werkshallen vorfertigen und zum Verbauzeitpunkt just-in-time auf die Baustelle liefern. Dort wird jedes einzelne Element so montiert, dass die zusätzlich auflagernden Lasten über vorherbestimmte Knotenpunkte sicher auf die Umfassungswände des Hauses abgeleitet werden. Dass die Statik des Tragwerks mit Nagelplattenverbindungen von GIN-Mitgliedern selbst berechnet und ohne Zusatzkosten mitgeliefert wird, macht das Aufstocken mit gütegeprüften Nagelplattenbindern auch für Privathaushalte attraktiv.

Ausführliche Informationen über Nagelplattenbinderkonstruktionen gibt es bei der GIN-Geschäftsstelle: Gütegemeinschaft Nagelplattenprodukte e.V. und Interessenverband Nagelplatten e.V. c/o FORUM HOLZBAU, Hellmuth-Hirth-Str. 7, 73760 Ostfildern, Fon 07 11 / 2 39 96-67, Fax 07 11 / 2 39 96 66, Mail GIN@nagelplatten.de, Web https://www.nagelplatten.de

Autor: Achim Dathe, M.A., Baufachjournalist abp

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