Energiewende im Gebäudebereich

Sozialverträgliches, klimafreundliches Sanieren ist möglich

In Hameln (Niedersachsen) wird im Wohnquartier "Kuckuck" das erste Mehrfamilienhaus in Deutschland nach dem Energiesprong-Prinzip seriell saniert. Durch die Sanierung mit vorgefertigten Dach- und Fassadenelementen sowie nachhaltiger Heiztechnik und Stromerzeugung sollen die Gebäude auf Net-Zero-Standard gebracht werden. Dieser ist erreicht, wenn Gebäude die gesamte übers Jahr benötigte Energie für Heizung, Warmwasser und Haushaltsstrom selbst produzieren.

Eine aufwendige, aber sinnvolle energetische Sanierung eines Mehrfamilienhauses. FOTO: DENA
Eine aufwendige, aber sinnvolle energetische Sanierung eines Mehrfamilienhauses. FOTO: DENA

Bei dem Pilotprojekt handelt es sich um einen Wohnblock aus den 1930er Jahren, bestehend aus drei Gebäuden mit je zwei Stockwerken und insgesamt zwölf Wohnungen. Die Sanierungsarbeiten sollen bis Februar 2020 abgeschlossen sein.

Der Energiesprong-Pilot in Hameln

Die Fassadenteile mit Lärchenholz-Verschalung fertigt ein Holzbauunternehmen aus Brandenburg. Die jeweils sieben Meter langen, 2,85 Meter hohen und 36 Zentimeter dicken Elemente kommen im November 2019 fertig zur Baustelle und werden dort direkt montiert. Sie beinhalten neben einem umfassenden Dämmpaket aus Recycling-Glaswolle auch die Fenster und dezentrale Lüftungselemente mit Wärmerückgewinnung. Anschließend folgen die Dachelemen-te, die Kellerdecke wird ebenso mit 20 Zentimeter Dämmung versehen. Dank geringer Transmissionswärmeverluste erreicht das Gebäude den hocheffizienten KfW55-Standard.

Photovoltaikanlagen auf dem Dach erzeugen CO2-neutralen Strom. Eine Wärmepumpe mit zwei Wärmespeichern versorgt die drei Gebäude des Wohnblocks mit Heiz- und Warmwasser. Alle Wohnungen erhalten neue Heizkörper. Eine Ultra-Filtrationsanlage garantiert einwandfreies Trinkwasser und einen effizienten Betrieb der Wärmepumpe. Die Hausverwaltung erhält digitale Informationen zu Temperatur und Feuchtigkeit und kann bei Fehlfunktionen direkt eingreifen, ohne vor Ort sein zu müssen.

Geschätzes Potenzial für Mehrfamilienhäuser: rund 500.000 Gebäude

Die Sanierung wird von der ecoworks GmbH umgesetzt, Eigentümer ist die arsago Gruppe. Die Deutsche-Energie-Agentur (dena) begleitet das Pilotprojekt. Die dena schätzt allein das Potenzial für kleinere bis mittlere Mehrfamilienhäuser der 50er bis 70er Jahre in Deutschland auf rund 500.000 Gebäude.

Anfang Dezember 2019 besuchten rund 130 Gäste aus der Wohnungs- und Bauwirtschaft sowie aus Energiebranche und Politik die Baustelle und diskutierten über die Sanierungslösung.

Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der dena-Geschäftsführung, sagte: "Das Energiesprong-Pilotprojekt in Hameln ist ein Meilenstein für die praktische Umsetzung der Energiewende im Gebäudebereich. Sozialverträgliches, klimafreundliches Sanieren ist möglich. Dieser erste Prototyp ist auch deshalb so wertvoll, weil die Erfahrung in alle weiteren Energiesprong-Sanierungen einfließen kann. Und es wird viele davon geben."

Durchbruch für serielle Sanierungslösungen

Erst am 25.11.2019 war mit dem Volume-Deal, einer gemeinsamen Absichtserklärung von Wohnungswirtschaft und Bauwirtschaft, ein erster Durchbruch bei der Marktentwicklung serieller Sanierungslösungen in Deutschland gelungen. In der Erklärung bündeln 22 Wohnungsunternehmen ihre Nachfrage und stellen 11.635 Wohnungen bereit, die in den nächsten vier Jahren seriell saniert werden sollen. Darüber hinaus beteiligen sich vier Bauunternehmen an der Vereinbarung, bis März 2020 verstärkt an der Entwicklung wirtschaftlich attraktiver und skalierbarer Komplettlösungen zu arbeiten. Seitens der Politik unterstützt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie die Marktetablierung der seriellen Sanierung in Deutschland.

Die von der Deutschen Energie-Agentur (dena) koordinierte Initiative Energiesprong Deutschland und der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) rufen Bauunternehmen dazu auf, serielle Sanierungslösungen nach dem Energiesprong-Prinzip für den deutschen Markt zu entwickeln.

Weiterführende Links:
www.energiesprong.de

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