Sanierung von Leerstand statt Neubau

Angesichts der Energiewende schlagen mitteldeutsche Wohnungsverbände Alarm

Die mitteldeutschen Wohnungsverbände der kommunalen und genossenschaftlichen Wohnungsunternehmen werfen der Bundesregierung eine fehlgeleitete Förderpolitik im Zusammenhang mit der Energiewende vor.

Klingelschilder ohne Namen: Leerstehende Wohngebäude sind in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen weit verbreitet. Foto: Adobestock/Finecki
Klingelschilder ohne Namen: Leerstehende Wohngebäude sind in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen weit verbreitet. Foto: Adobestock/Finecki

Mit Blick auf hohe Baukosten, gestiegene Energiepreise und den Rückgang der Bevölkerung insbesondere in Sachsen-Anhalt erlebe die Wohnungswirtschaft aktuell die schwierigste Lage der letzten 30 Jahre. Wie die Spitzen der Verbände aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen in Leipzig bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mitteilten, sei die Energiewende aus Sicht der kommunalen Wohnungsunternehmen und Genossenschaften nicht nur technisch schwer umsetzbar. „Niemand weiß, wer das alles bezahlen soll“, sagte Jens Zillmann, Direktor des Verbands der Wohnungswirtschaft Sachsen-Anhalt. Statt nur auf den Neubau von Wohnungen in Ballungsräumen sollte sich der Bund mehr auf die Förderung des Bestands in Mitteldeutschland konzentrieren, forderten die Verbände. „Die Energiewende wird im Bestand gemacht“, sagte Reiner Seifert, Direktor des sächsischen Verbands. Frank Emrich, Direktor des Verbands der Thüringer Wohnungs- und Immobilienwirtschaft, sprach von einer „Phantomdebatte um den Neubau“. Den Plan der Bundespolitik, den Neubau von 400.000 Wohnungen in Ballungsräumen zu fördern, halten die Verbände für einseitig und realitätsfern. Stattdessen sollten leerstehende Wohnungen saniert werden.

„Statt Neubau die Leerstände klimagerecht sanieren“

Der große Bedarf an Wohnraum in den östlichen Bundesländern stehe einem immer größer werdenden Bestand an leerstehenden Wohnungen gegenüber. Nach Angaben der Wohnungsverbände stehen rund 100.000 Wohnungen leer. Deshalb fordert die Wohnungswirtschaft, den großen Leerstand klimagerecht zu sanieren. Dies sei wesentlich kostengünstiger als Neubau und trage effektiv zur Entspannung auf dem Wohnungsmarkt bei. „Wir reden nicht von Investitionskosten bis zu 3.000 Euro pro Quadratmeter, sondern von 300 bis 500 Euro.

Die Energiewende sei für den Wohnungsmarkt die größte Herausforderung seit der Wiedervereinigung. Als Lösung favorisieren die Verbände die „altbewährte Ein-Drittel-Lösung“, wobei die Investitionskosten der Staat, die Eigentümer und die Mieter zu gleichen Anteilen tragen sollten. „Wir müssen die Menschen davon überzeugen, dass die Energiewende für alle Beteiligte nicht zum Nulltarif zu haben ist. Was wir jetzt brauchen, sind verlässliche und unkomplizierte Lösungen,“ sagte Verbandssprecher Seifert.

Weiterer massiver Bevölkerungsrückgang ist zu befürchten

Ein drängendes Problem sei die demografische Entwicklung, vor allem in ländlichen Gebieten. Laut Zillmann müsse von einem Bevölkerungsrückgang in den drei Ländern bis 2035 von bis zu 17 Prozent ausgegangen werden. „Bis 2030 werden wir 500.000 Menschen verlieren“, sagte er. Dadurch werde der Anteil leerstehender Wohnungen vor allem im ländlichen Raum noch weiter steigen. Die Wohnungsunternehmen müssten in Folge viele Gebäude abreißen und mehr in den Bestand investieren. Das sei aber nur möglich, wenn sich der Bund daran beteiligt. Dafür gebe es bislang aber keine Anzeichen. Im Gegenteil, so Zillmann. Auf keine Empfehlung der mittelständischen Wohnungswirtschaft sei bislang reagiert worden. Der Chef des sachsen-anhaltinischen Verbands bezeichnete es als „verstörend“, dass Bundesministerin Faeser angesichts großer Anstrengungen bei der Bereitstellung von 21.000 Wohnungen für geflüchtete Menschen im vergangenen Jahr bereits angekündigt habe, dass es vom Bund keine weitere Unterstützung für die Sanierung im Bestand geben werde.

Autorin: Christina Hövener-Hetz

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