Baukosten steigen

Auf Baustellen fehlen Arbeitskräfte und Materialien

In der Bauwirtschaft explodieren nicht nur die viel zitierten Holzpreise. Der vdw Niedersachsen Bremen weist auf eine teilweise dramatische Teuerung und Bauverzögerungen durch fehlende Baustoffe hin.

Bauholz zu teuer und fehlende Zimmerer: Auf vielen Baustellen stockt es. Foto: Adobestock/Sculpies
Bauholz zu teuer und fehlende Zimmerer: Auf vielen Baustellen stockt es. Foto: Adobestock/Sculpies

52 Wohnungsunternehmen beteiligten sich an einer Umfrage des Verbandes. Allein in diesem Jahr wurde danach Dämmmaterial um rund 150 Prozent, Baustahl um bis zu 40 Prozent und Bauholz teils um mehr als 200 Prozent teurer. Die Liste fehlender oder deutlich verteuerter Materialien sei noch viel länger. Die Wohnungsunternehmen nannten in der Umfrage auch Material für Elektro- und Sanitärinstallationen, Fenster, Türen, Sand, Kies, Kupfer und Dachziegel. Vielerorts gebe es keine langfristig festen Zusagen mehr für Materialpreise, die teilweise von Woche zu Woche stark schwankten.

Verbandsdirektorin Susanne Schmitt verwies auf Berechnungen des Statistischen Bundesamtes, wonach die Preise für konventionell gefertigte Wohnhäuser im Mai 2021 um 6,4 Prozent über dem Vorjahreswert lagen. Das sei die höchste Steigerung seit 2007 als der Mehrwertsteuersatz von 16 auf 19 Prozent angehoben wurde. Allein von Februar bis Mai 2021 erhöhten sich die Baupreise um 3,6 Prozent. >> lesen: vdw-Baubilanzen

In allen Baugewerken fehlen Arbeitskräfte

Zweiter großer Engpass seien die fehlenden Kapazitäten im Bauhandwerk. Praktisch alle Gewerke seien betroffen, melden die vdw-Unternehmen. Grund sei oftmals der Mangel an Personal. Teilweise seien die Handwerksbetriebe aber auch in Kurzarbeit, weil ihnen wiederum Materialien fehlen. Wie gravierenden die Folgen für den Mietwohnungsbau sind, zeigt der vdw an einem Beispiel aus Hannover: Weil die entsprechenden Rohre fehlen, werde ein Entwässerungskanal, an dem 200 Wohneinheiten angebunden sind, nicht fristgerecht fertig. Die vdw-Mitgliedsunternehmen melden außerdem, dass im Verbandsgebiet rund 800 neue Wohneinheiten zeitlich im Verzug seien. 

Die Knappheit wirke sich bereits auf die Neubaukosten aus. Mittlerweile lägen die Neubaukosten in Ballungsregionen teilweise deutlich über 5000 Euro pro Quadratmeter. Eine kostendeckende Miete liege dann bei zwölf Euro und mehr pro Quadratmeter.

Susanne Schmitt forderte: „Land und Kommunen müssen alles dafür tun, dass sich diese Preisspirale nicht weiterdreht. Bei den Baulandpreisen ist das Maß längst voll. Außerdem benötigen wir ein Moratorium für energetische und bautechnische Anforderungen an den Wohnungsneubau.“ (Red.)

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