Stagnation beim Wohnungsbau?

Bauwirtschaft von Folgen des Krieges in der Ukraine betroffen

Einer Umfrage unter den Mitgliedsunternehmen des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie zufolge, verschärft sich die Lage der Baubranche. Mittlerweile sei fast jedes Unternehmen direkt oder indirekt von den Folgen des Krieges in der Ukraine betroffen. Preissteigerungen und Materiallieferengpässe seien die größten Probleme. Auftragsstornierungen im Wohnungsneubau könnten sich bald anschließen.

Baumaterial wird knapp und teuer, Auftraggeber stellen ihre Neubauprojekte zurück. Stillstand auf vielen Baustellen. BILD: M.Eisinger
Baumaterial wird knapp und teuer, Auftraggeber stellen ihre Neubauprojekte zurück. Stillstand auf vielen Baustellen. BILD: M.Eisinger

Hauptverband der Deutschen Bauindustrie stellt sich auf Kurzarbeit ein

Die Unternehmen berichten unisono, dass Materiallieferanten nur noch tagesaktuelle Preise geben. Über 80 Prozent gaben sogar an, dass Lieferanten überhaupt keine Preiszusagen mehr geben würden. Dies führt am Ende zu einem enormen wirtschaftlichen Risiko und Schwierigkeiten bei der Kalkulation neuer Angebote. So ist es bisher gelungen, nur mit rund einem Drittel der Auftraggeber so genannte Preisgleitungen zu vereinbaren, damit die Unternehmen die Risiken nicht allein schultern müssen. In der Konsequenz geben über 30 Prozent der Bauunternehmen keine neuen Angebote mehr ab.

Um die Situation für die Unternehmen zu entschärfen, müssen dringend auch Länder und Kommunen die kürzlich mit dem Bund vereinbarten Regelungen über Preisgleitklauseln übernehmen.

Doch nicht nur das: Zum Preis-, Material- und Energierisiko kommt auch ein Nachfragerisiko hinzu. Rund 40 Prozent der Auftraggeber stellen Projekte zurück, 30 Prozent der Auftraggeber stornieren sogar Projekte. Verbunden mit den Aussagen eines großen, norddeutschen Verbandes der Wohnungswirtschaft, dass ein deutlicher Rückgang beim Wohnungsneubau zu erwarten sei, ist die Gefahr also reell, dass die Konjunktur in der Bauwirtschaft stark in Mitleidenschaft gezogen werden kann. Die Folgen wären gravierend. Damit wird auch die Luft dünner, um die baupolitischen Ziele noch zu erreichen.

Müller: "Die Situation ist absurd. Vor Wochen hat die Branche noch händeringend um Arbeitskräfte geworben, heute müssen wir uns Gedanken machen, wie wir die halten, die wir haben. Wir stellen uns darauf ein, dass Unternehmen bald Kurzarbeit anmelden müssen."

Die Ergebnisse der zweiten Umfrage im Detail:

Umfragezeitraum: 4. bis 7. April 2022. Über 300 Unternehmerinnen und Unternehmer haben teilgenommen, davon beziehen 27 Prozent Baumaterial aus Russland oder aus der Ukraine.

  • 91 Prozent sind von direkten oder indirekten Auswirkungen betroffen (Vorumfrage: 83 Prozent). Davon gaben 84 Prozent an, dass die genannten Probleme stark, bzw. sogar sehr stark ausgeprägt sind.
  • 90 Prozent der Umfrageteilnehmer (nicht der Betroffenen) klagten über Preissteigerungen bei Baumaterial (Mehrfachnennungen möglich) und 80 Prozent über Lieferengpässe (Vorumfrage: 79 Prozent bzw. 64 Prozent)
  • 85 Prozent gaben an, dass die Lieferanten nur noch tagesaktuelle Preise geben, 84 Prozent gaben sogar an, dass überhaupt keine Preiszusagen mehr gemacht werden (Mehrfachnennungen möglich; Vorumfrage: 74 Prozent bzw. 72 Prozent). 81 Prozent klagten über Preissteigerungen beim Transport (Vorumfrage: 73 Prozent). 49 Prozent beklagten Logistikprobleme und 13 Prozent einen Fachkräftemangel wegen fehlender Arbeitskräfte aus den betroffenen Regionen (Vorumfrage: 41 Prozent bzw. 8 Prozent).
  • Die Lieferengpässe und Preissteigerungen betreffen überwiegend Dieselkraftstoff und Stahl: 78 Prozent, bzw. 76 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben dies an (Mehrfachnennungen möglich).

Starke Preissteigerungen des Vorjahres setzen sich fort

57 Prozent berichteten über Lieferengpässe und Preissteigerungen bei Bitumen und Asphalt, 42 Prozent bei Holz, 55 Prozent bei Zement/Beton und 28 Prozent bei Spundwänden. 71 Prozent berichteten von steigenden Energiekosten. 71 Prozent der Betroffenen berichteten von Verzögerungen bei laufenden Bauprojekten (Vorumfrage: 72 Prozent). Bei 89 Prozent der Betroffenen hatten die Probleme Auswirkungen auf die Angebotsabgabe (Vorumfrage: 84 Prozent). Diese sind:

In Bezug auf die gesamten Umfrageteilnehmer gaben 51 Prozent an, wenn möglich nur noch Auftraggeber zu bevorzugen, die eine Preisgleitung akzeptieren (Vorumfrage: 39 Prozent).

Mittlerweile geben 33 Prozent der Umfrageteilnehmer an, dass man sich mit dem Auftraggeber auf eine Preisgleitung geeinigt hätte (Vorumfrage: 18 Prozent). Allerdings geben auch 47 Prozent an, dass sie Preissteigerungen nicht weitergegeben können und somit das Angebot auf eigenes Risiko erfolgt (Mehrfachnennungen möglich). 32 Prozent berichteten, dass sie keine Angebote mehr abgeben können.

40 Prozent gaben an, dass der Auftraggeber sein Projekt zurückgestellt hat (Vorumfrage: 23 Prozent).
29 Prozent der Betroffenen berichteten, dass sie von Auftragsstornierungen betroffen seien (Vorumfrage: 24 Prozent).

Quelle: Hauptverband der Deutschen Bauindustrie e.V.

weiterlesen:
Baukosten eilen Mieten davon
Auf den Baustellen könnten bald Stahl und Bitumen fehlen (März 2022)
„Bauen, bauen, bauen – das war gestern“ (April 2022)
Bauwirtschaft von Folgen des Krieges in der Ukraine betroffen, Wohnungsbau stagniert
Auch die Technische Gebäudeausrüstung treibt die Preise
Materialmangel und Inflation: „Wohnungsbau und Modernisierung sind absolut unkalkulierbar geworden“
Inflation, Zinskosten, Materialmangel: „Die Vollbremsung im Wohnungsbau wird sich nächstes Jahr zeigen“
News im Juli 2022: „Der Wohnungsbau bricht massiv ein“

Wohnimmobilien von Materialmangel betroffen

Infografik: Bauen wird deutlich teurer | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Das Zusammenleben mehrere Mietparteien in einem Haus erfordert es gewisse Regeln für das Zusammenleben aufzustellen, die eigentlich nichts im Mietvertrag verloren haben. Eine Hausordnung bietet dem Vermieter eine Plattform um Regelungen für das Zusammenleben...
Printer Friendly, PDF & Email
9.9.2025
Sozialer Wohnungsbau in NRW
Wie der VdW Rheinland Westfalen auf seiner Jahrespressekonferenz am 9. September mitteilte, kann er bei seinen Mitgliedern nur eine vorsichtige Erholung erkennen. Für eine tatsächliche Trendwende im...
28.11.2023
Statistisches Bundesamt
Zu Hause frieren, weil das Geld knapp ist. Das erleben offenbar Millionen Bürger in Deutschland, wie aus Daten des Statistischen Bundesamtes hervorgeht.
7.3.2025
KI-Anwendung steckt noch in den Kinderschuhen
Immobilienbetreiber stehen unter Druck, den Gebäudebestand bis 2050 emissionsfrei zu gestalten. für dieses Ziel müssten künftig jährlich zwischen 800.000 und 1,2 Millionen Immobilien saniert werden...
13.4.2023
Dank der Kapitalaufstockung durch das Land Hessen
Um 200 Millionen Euro hat das Land Hessen als Mehrheitseigentümer das Eigenkapital der Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte | Wohnstadt Ende 2020 aufgestockt. Das Geld investiert Hessens größtes...
3.7.2023
NRW-Bank veröffentlicht Wohnungsmarktbarometer 2023
Der Bedarf an preisgünstigem Wohnraum in Nordrhein-Westfalen ist weiterhin sehr hoch. Gleichzeitig hat das Investitionsklima einen Tiefpunkt erreicht.
6.8.2025
Prognose: Ausgaben contra Einnahmen
Insbesondere sozial orientierte Wohnungsunternehmen geraten immer stärker unter Kostendruck: Seit Jahren stark steigende Ausgaben können nicht ausreichend durch die Erhöhung der Mieteinnahmen...