Gaspreis-Explosion

Bayerische Wohnungsunternehmen verschieben Bauprojekte

Der VdW Bayern sah Ende Oktober nur eine geringe Gefahr von Insolvenzen unter bayerischen Wohnungsunternehmen angesichts der Rekordpreise für Gas. Allerdings würden die finanziellen Belastungen durch die Vorfinanzierung des Brennstoffes dazu führen, dass die Unternehmen 2023 ihre Investitionen in Neubau und energetische Sanierung reduzieren.

Trotz aller staatlichen Hilfen: Die Heizenergiekosten werden zukünftig deutlich höher sein, als vor der aktuellen Gaskrise. Foto: Adobestock/Ink Drop
Trotz aller staatlichen Hilfen: Die Heizenergiekosten werden zukünftig deutlich höher sein, als vor der aktuellen Gaskrise. Foto: Adobestock/Ink Drop

Gas sei bei den bayerischen Wohnungsunternehmen der mit Abstand wichtigste Energieträger für die Wärmeversorgung. Die bereits seit Ende 2021 stark angestiegen Gaspreise würden sich daher empfindlich auf die Mieterhaushalte auswirken. Denn nur 25 Prozent der Mitgliedsunternehmen des Verbands bayerischer Wohnungsunternehmen hätten eine vertragliche Preisgarantie bis 2024 oder länger. Allen anderen stünden deutliche Preiserhöhungen durch die Energieversorger ins Haus. Das ergab eine Mitgliederbefragung des Verbandes unter den 495 Mitgliedsunternehmen mit einem Bestand von 545.000 Wohnungen im Freistaat. Die Preiserhöhungen seien bedrohlich für die Mieter und Mieterinnen, wirkten sich aber auch direkt auf die Geschäftstätigkeit der Wohnungsunternehmen aus.

Durchschnittliche Erhöhung der Gaspreise um 124 Prozent

„Wir rechnen für den Wohnungsneubau, aber auch für Modernisierungsprojekte im Jahr 2023 mit einem deutlichen Rückgang“, sagt Verbandsdirektor Hans Maier. Viele Verbandsmitglieder (58 %) würden ihre Investitionstätigkeit einschränken. Denn die Verbandsmitglieder sorgten sich um ihre eigene Liquidität. Mehr als jedes fünfte Wohnungsunternehmen (22 %) schätze die Liquiditätssituation derzeit als risikobehaftet ein. Das habe vor allem zwei Ursachen: Die Unternehmen gehen bei den Energiekosten für die Mieterhaushalte in Vorleistung und rechnen erst zu einem späteren Zeitpunkt ab. Wohnungsunternehmen, denen aktuell bereits Preiserhöhungen für das Jahr 2023 vorliegen, müssten im Schnitt 124 Prozent mehr für Gas bezahlen. Aufgrund dieses starken Kostenanstiegs schätzen die Wohnungsunternehmen, dass es bei etwa 15 Prozent der Mieterschaft zu Zahlungsausfälle kommen werde. Bei weiteren 20 Prozent der Haushalte werden erhebliche Zahlungsverzögerungen erwartet.

GdW hatte im Sommer vor Insolvenzen von Vermietern gewarnt

Bereits im Sommer und im Vorfeld der Beschlüsse der Bunderegierung für ein drittes Entlastungspaket gegen die hohen Energiepreise (Heizkostenhilfe für Wohngeldempfänger, Erhöhung und Ausweitung des Wohngeldes; Energiepauschale für Rentner und Studenten u.a.m.) hatte der Hauptverband der Wohnungswirtschaft GdW vor der Gefahr von Insolvenzen sozial orientierter Wohnungsunternehmen gewarnt. GdW-Präsident Axel Gedaschko schloss aus einer Umfrage unter Mitgliedsunternehmen, dass 38 Prozent der Wohnungsunternehmen die Gaspreissteigerungen nicht aus eigener Liquidität bewältigen könnten und daher staatliche Hilfe bräuchten. Existenzbedrohend könne die Situation für 22 Prozent der sozial orientierten Wohnungsunternehmen in ganz Deutschland werden. In einigen Regionen Deutschlands werde mit Heizkostensteigerungen von 200 bis 300 Prozent gerechnet. Wohnungsunternehmen sowie ihre Mieter im ländlichen Raum träfen die Preissprünge besonders hart. Für eine Durchschnittswohnung mit 60 Quadratmetern müssten die Wohnungsunternehmen jetzt schon mit teilweise über 1.600 Euro voraussichtlicher Jahreskosten bei den Energieversorgern in Vorleistung gehen.

GdW-Präsident Axel Gedaschko ist – ebenso wie übrigens Mieterbund-Präsident Lukas Siebenkotten – Mitglied in der Gaspreiskommission, die der Bundesregierung Anfang Oktober unter anderem die Einführung eines Preisdeckels spätestens ab März 2023 vorgeschlagen hat. Danach sollen 80 Prozent der Gasmenge, die im auslaufenden Jahr verbraucht wurde, mit maximal 12 Cent pro Kilowattstunde berechnet werden dürfen. Damit wäre das Gas immer noch um etwa das Zweieinhalbfache teurer als vor der Energiekrise. Insofern ist die Prognose des VdW Bayern über die zu erwartenden Liquiditätsengpässe der Mitgliedsunternehmen realistisch. (Red.)

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