Trotz Diskussion um Klimaschutz

Eigentümer in Deutschland planen kaum Sanierungen

Trotz des politischen Streits um Klimaschutz und Heizungstausch wollen mehr als die Hälfte der Eigentümer von Wohnungen und Häusern in nächster Zeit nicht energetisch sanieren. Das ist das Ergebnis einer aktuellen repräsentativen Umfrage.

„Welche energetische Sanierungsmaßnahme gehen Sie als nächstes an?“ Die Antworten auf diese zentrale Frage zeigen, dass Maßnahmen zur energetischen Sanierung derzeit wenig Zuspruch ernten. Das zeigt eine aktuelle repräsentative YouGov-Umfrage im Auftrag von Immoscout24, an der 2.004 Personen (davon 720 Privateigentümer) teilnahmen. Zudem wollen unter den Sanierungswilligen nur sieben Prozent eine moderne Heizungsanlage anschaffen.

Nur eine Minderheit zeigt Zuspruch

Baugipfel, Energieeffizienz und Heizungsgesetz: Zahlreiche politische Debatten beeinflussen aktuell Angebot und Nachfrage auf dem Immobilienmarkt. Die Bundesregierung verpflichtet Eigentümer per Gesetz zum Einbau von klimaschonenden Heizungen und Dämmmaßnahmen. Einen deutlichen Effekt auf die Sanierungsaktivitäten von Eigentümern haben diese Umstände jedoch nicht. Im Gegenteil, 52 Prozent der gefragten Eigentümer möchten in nächster Zeit keine Sanierungsmaßnahmen durchführen. Gesa Crockford, Geschäftsführerin von ImmoScout24, ist der Meinung, es liege durchaus an den langen Debatten und politischen Streitigkeiten über die Umsetzung des „Heizungsgesetzes“, sodass viele sich gegen einen Austausch der Heizungen entschieden hätten.  Außerdem könne auch die lange Unklarheit über die Ausgestaltung der Förderung einen negativen Einfluss darauf gehabt haben, sich weiter mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Photovoltaikanlagen begehrter als neue Heizungsanlagen

Im Gegensatz zu neuen Heizungsanlagen seien Photovoltaik-Anlagen um einiges beliebter. 14 Prozent planten diese Sanierungsmaßnahme bereits. Sie koste für ein Einfamilienhaus in der Regel nicht mehr als 15.000 Euro und überfordere daher das Budget vieler Eigentümer nicht. Zudem sei eine Ersparnis unmittelbar bei den monatlichen Stromkosten spürbar und die Investition amortisiere sich häufig im Laufe von 10 bis 15 Jahren. 

Auf Platz zwei der geplanten Sanierungsmaßnahme liegt der Umfrage nach zwar eine klimaschonende Heizungsanlage, nur sieben Prozent der Eigentümer wollten den Einbau jedoch als nächstes angehen. Dabei sei das Einsparpotenzial bei den Nebenkosten durch eine moderne Heizanlage sehr hoch: Um 30 Prozent und mehr könnten die Heizkosten reduziert werden. Die nötige Investition falle jedoch auch etwas höher aus.  Zwischen 27.000 Euro und 40.000 Euro gäben Hersteller als Kosten für den Einbau etwa einer Luft-Wasser-Wärmepumpe an, andere Wärmepumpen seien deutlich teurer.  Dachdämmung, Außenwanddämmung und Fenster mit Doppelverglasung wollen jeweils fünf Prozent der Eigentümer als nächstes umsetzen, so ein Ergebnis der Online-Umfrage.

Jüngere Eigentümer sind offener für energetische Sanierungen

Mit zunehmendem Alter sinke die Bereitschaft der Eigentümer, eine energetische Sanierungsmaßnahme anzugehen. Unter jungen Immobilienbesitzer zwischen 18 und 34 Jahren schließe nur ein Viertel eine solche Investition in nächster Zeit aus. In der Alterspanne zwischen 35 und 45 Jahren steige die Zahl der Eigentümer mit ablehnender Haltung auf 47 Prozent. Unter solchen, die 55 Jahren und älter sind, schlössen 63 Prozent eine energetische Sanierung aus. 
 

Leben Kinder (bis 18 Jahre) im Haushalt der Immobilienbesitzer, sei die Aufgeschlossenheit hingegen höher ausgeprägt: 65 Prozent dieser Gruppe planten eine energetische Sanierungsmaßnahme. Bei Eigentümer ohne Kinder seien es nur 37 Prozent.
Unterschiede gebe es auch bei den Geschlechtern: Männer mit Immobilienbesitz wollten häufiger Sanierungen angehen (50 %) als Frauen mit Eigentum (38 %).

Thomas Engelbrecht

Thomas Engelbrecht
Chefredakteur
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