Best Practices

ESG und Digitalisierung - Handlungsempfehlungen für Wohnungsunternehmen

Die Wohnungswirtschaft weiß: Mehr Klimaschutz, mehr Nachhaltigkeit kann es nur durch mehr digitale Daten geben. Die Immobilienbranche ist bereit! Sie ist gewillt zur Erfüllung der ESG-Kriterien beizutragen. "ESG" steht für Environmental, Social, Governance und damit für die zahlreichen EU-Vorhaben, die damit verbunden sind. Jetzt gibt es eine praktische Handlungsempfehlung für Wohnungsunternehmen.

Der enorme ökologische Fußabdruck des Gebäudesektors zwingt die Immobilienbranche zum Handeln. BILD: ADOBESTOCK/ Wolfilser
Der enorme ökologische Fußabdruck des Gebäudesektors zwingt die Immobilienbranche zum Handeln. BILD: ADOBESTOCK/ Wolfilser

Report des Zentralen Immobilien Ausschuss ZIA, Spitzenverband der Immobilienwirtschaft und der blackprintpartners GmbH

Anhand von Best Practice-Beispielen liefert der ESG Report zahlreiche Maßnahmen, die beispielsweise zu mehr ökologischer Nachhaltigkeit im Neubau oder Bestand führen, die Gesundheit und das Wohlergehen in Wohn- und Arbeitsumgebungen fördern und ein zukunftsfähiges Unternehmenssetup hinsichtlich Kernsysteme, Daten oder Prozesse schaffen. 

Diese von einer Projektgruppe des ZIA-Ausschusses Digitalisierung erarbeiteten Best Practice-Beispiele und -Lösungsansätze verlaufen vom Einstieg über das Budget bis hin zur konkreten Umsetzung und klären darüber auf, welche technische Infrastruktur, Datengrundlagen und Festlegungen benötigt werden. Eine der Kernerkenntnisse der Projektgruppe ist, das Thema ESG mehrdimensional zu betrachten – auf der Immobilienebene, der Unternehmensebene und der Smart City-Ebene.

Einsteigen, Budget im Blick haben, Lösungen umsetzen

Auf der Immobilienebene geht es um das Raumklima und Gebäudekonditionen, die Energieeffizienz, Mieter-Services sowie die Instandhaltung und Sanierung von Gebäuden. Auf der Unternehmensebene sind Smart Mobility und New Work entscheidende Parameter, um ESG und Digitalisierung zu implementieren, während es auf der Smart City-Ebene etwa um Projektentwicklung und nachhaltige Sanierung, Infrastruktur (Verkehr und Governance) und die Versorgung und Logistik geht. 

Sind Sie schon ESG-ready?

Auf Immobilienebene lassen sich die meisten ermittelten Probleme (77,8%) sowie Lösungen (81,3%) dem Bereich Environmental zuordnen. Die Lebenszyklus-Clusterung zeigt, dass 77,8 % der Probleme sowie 75,0 % der Lösungen in der Phase Sanieren verortet werden.

In folgende Themen lassen sich die ermittelten Probleme und Maßnahmen clustern:

  • Raumklima und Gebäudekonditionen
  • Energieeffizienz
  • Mieter-Services
  • Instandhaltung und Sanierung von Gebäuden

Smart City Ebene
Die Vernetzung zwischen Immobilien, im Quartier oder sogar auf städtischer Ebene ist ein noch junges Feld mit kaum identifizierten Risiken. Die ermittelten Lösungen zahlen zu 100 % auf das G wie Governance ein, beziehen sich zu 87,0 % auf die Lebenszyklusphase Betreiben und liefern Potentiale in folgenden Themenschwerpunkten:

  • Projektentwicklung und nachhaltige Sanierung
  • Daten und Vernetzung
  • Infrastruktur (Verkehr und Governance)
  • Entsiegelung
  • Versorgung und Logistik

Best Practices

Als Grundlage für Inspiration sind im Rahmen der Projektgruppenarbeit zahlreiche Best Practice Beispiele von konkreten Maßnahmen zum Thema ESG und Digitalisierung gesammelt worden in folgenden Themenschwerpunkten:
I. Vorbildhafte bzw. nachahmenswerte ESGMaßnahmen
bzw. ESG-Projekte
II. Maßnahmen für mehr ökologische Nachhaltigkeit im Neubau oder Bestand
III. Maßnahmen zur Steigerung von Gesundheit und Wohlergehen in Wohn- und Arbeitsumgebung
IV. Maßnahmen für ein zukunftsfähiges Unternehmenssetup in puncto Kernsysteme, Daten oder Prozesse
V. auf Führungskräfte, Mitarbeiter und Strukturen bezogene Maßnahmen, um den ESG-Anforderungen im Unternehmen gerecht zu werden
VI. Maßnahmen zur Erfüllung von ESG-Anforderungen auf Branchen- bzw. Smart City Ebene

Hintergrund

Mit der Agenda 2030 haben sich die UN-Mitgliedstaaten ehrgeizige Ziele für eine nachhaltige Entwicklung gesetzt, die bis zum Ende des laufenden Jahrzehnts erreicht werden sollen. Aus diesen Sustainable Development Goals (SDGs) mit ihren 169 Unterzielen begründen sich eine Vielzahl an Gesetzesinitiativen, um eine nachhaltigere Entwicklung zu forcieren. Die bis zum Ende des Jahrzehnts angestrebten Ziele umfassen die Sphären: Umwelt (= E für Environmental), Soziales (= S für Social) und Unternehmensführung (= G für Governance).

Verantwortlichkeit der Immobilienwirtschaft

Der Bau- und Immobilienwirtschaft kommt eine besondere Verantwortung zu. Dazu gehört die Bereitstellung funktionierender, sicherer, ressourcenschonender, lebenswerter, komfortabler Gebäude, die auch den Bedürfnissen der Bevölkerung nach Gesundheit, Wohlergehen und Komfort entsprechen. Das betrifft nicht nur das „Dach über dem Kopf“, sondern auch die Arbeitsstätten und jegliche anderen Immobilien, die unsere Quartiere, Städte und Lebensräume ausmachen. Denn ungefähr 90 Prozent unserer Zeit verbringen wir in Immobilien.

Unter dem Druck und der Verantwortung, die die ESG-Regulatorik für die Bau- und Immobilienwirtschaft mit sich bringt, ist es nötig, dass sich Unternehmen und Akteure zukunftsfähig aufstellen und mit Mut neue Wege gehen. Beim Neubau und im Bestand werden wirkünftig mehr nachwachsende, recyclebare Baustoffe nutzen, moderne Energie-Konzepte integrieren und unsere Immobilien mittels smarter Infrastruktur effizient und digital managen (müssen).

Daten, Sensorik, Smart Building und Analytics sind von großer Bedeutung, um eine Bewirtschaftung von Gebäuden zu garantieren, die langfristig nachhaltig und insbesondere ökologisch wertvoll ist. Die Digitalisierung ist damit das entscheidende Mittel zum Zweck, um den neuen und noch kommenden ESG-Anforderungen gerecht zu werden.

Damit stellt Digitalisierung die größte Klimaschutz- und Nachhaltigkeits-Chance für die Immobilienwirtschaft dar.

Untenstehend der ESG-Report zum Herunterladen (PDF, 44 Seiten)

Quelle: ZIA

weiterlesen:
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