Bestand intelligent genutzt
Die urbane Nachverdichtung zählt zu den komplexesten Disziplinen moderner Bauplanung. In der Bremer Neustadt ist mit dem Projekt Maingold ein Wohngebäude entstanden, das beweist, wie effizient und zukunftssicher sich bestehende Strukturen in ein regeneratives Heizkonzept integrieren lassen. Das Fundament stammt von einem ehemaligen Bunker – alles darüber ist konsequent neu gedacht.
Stadtentwicklung mit Substanz
Im beliebten Flüsseviertel der Bremer Neustadt verbindet das Wohnbauprojekt Maingold architektonische Klarheit mit energetischer Voraussicht. Errichtet auf dem Fundament eines ehemaligen Luftschutzbunkers entstand ein Neubau mit 13 Wohneinheiten, vier Geschossen und 1.069 m2 Gesamtwohnfläche. Die Wohneinheiten – zwischen 40 m2 und 107 m2 groß – sprechen ein breites Spektrum an Nutzern an: Singles, Paare, Familien. Bodentiefe Fenster, Dachterrassen, Balkone und eine klare Fassadenstruktur prägen das Erscheinungsbild.
Für das ausführende Architekturbüro M-Projekt unter der Leitung von Architekt Gunnar Neimke bedeutete das Projekt eine anspruchsvolle Gratwanderung: Wie lassen sich vorhandene Strukturen sinnvoll einbinden, ohne funktionale oder energetische Kompromisse einzugehen? Die Antwort lag in der präzisen Abstimmung von Gebäudebestandteilen, Versorgungskonzept und Raumaufteilung, verbunden durch einen klaren architektonischen Duktus. Entworfen wurde das Gebäude von den Architekten Mielke + Freudenberg aus Bremen, die bereits mehrere Bunkerumbauten realisiert haben.
Effizienz beginnt im Fundament
Zwar blieb vom ursprünglichen Bunker oberirdisch nichts erhalten, doch die Grundmauern und das Fundament bildeten eine tragfähige Basis, statisch wie konzeptionell. Darauf aufbauend entstand ein Gebäude im Standard eines KfW-Effizienzhauses 55 (EnEV-konform, GEG-konform ab 2021). 20 cm Außendämmung im Wärmedämmverbundsystem, dreifach verglaste Fenster und eine energieeffiziente Lüftungslösung ergänzen das technische Konzept.
Das Ergebnis: ein Endenergiebedarf von nur 12,9 kWh/(m2a) sowie ein Primärenergiebedarf von 23,2 kWh/(m2a) – Spitzenwerte im urbanen Wohnungsbau.
Heiztechnik als Schlüssel zum Konzept
Herzstück der Wärmeversorgung sind drei Ecodan Luft/Wasser-Wärmepumpen von Mitsubishi Electric mit Zubadan Inverter-Technologie. In der Außenanlage als Kaskade installiert, liefern die Module gemeinsam 33,6 kW Heizleistung. Das modulare System deckt nicht nur die Heizlast des Gebäudes, sondern stellt gleichzeitig Energie für die Warmwasserbereitung zur Verfügung.
Die Entscheidung für Luft als Energiequelle war pragmatisch und baulich klug: Geothermie kam wegen der innerstädtischen Lage und der dafür notwendigen Bohrung durch das Bunkerfundament nicht infrage. Außenluft hingegen lässt sich nahezu überall erschließen – ohne Bohrungen, ohne Erdarbeiten, ohne Verzögerungen.
Intelligente Kaskade mit MAX-COP-Funktion
Technisch setzt das System auf Effizienz im Teillastbetrieb. Die MAX-COP-Funktion der Ecodan Kaskade sorgt für eine dynamische Lastverteilung und einen optimierten Betriebspunkt. Redundanz inklusive: Sollte ein Modul gewartet werden, übernehmen die anderen die Wärmeversorgung ohne Komforteinbußen. Die gleichmäßige Auslastung verlängert die Lebensdauer der Komponenten erheblich. Zugleich ermöglicht die Zubadan-Technologie durch ihr Einspritzverfahren den durchgängigen Betrieb bis –15 °C bei 100 % Leistung und einen zuverlässigen Betrieb bis –28 °C. Das sorgt für Planungssicherheit selbst bei extremen Winterbedingungen.
Ein gutes Energiekonzept muss sich nicht in den Vordergrund drängen. Es muss einfach funktionieren – im Grundriss, im Alltag und in der Jahresbilanz,“ ist Klaus Schierenbeck, TGA-Fachplaner und Energieeffizienzexperte (dena), überzeugt.
Komfort durch Systemintegration
Die Heizwärme verteilt sich über eine Fußbodenheizung mit Einzelraumregelung. Dynamisch voreingestellte Ventile gewährleisten einen automatischen hydraulischen Abgleich. Das System arbeitet auf einem besonders niedrigen Temperaturniveau – ein entscheidender Vorteil für den Wirkungsgrad der Wärmepumpen. Ein zentraler 800-Liter-Schichtenpufferspeicher unterstützt bei der Deckung von Spitzenlasten und übernimmt zusätzlich die Energieversorgung für die Abtauzyklen im Winter.
Für jede Wohneinheit wurde eine Wohnungsübergabestation installiert. Die dezentrale Lösung ermöglicht hygienische Warmwasserbereitung nach dem Durchlaufprinzip. So werden zum Beispiel Legionellenrisiken konsequent ausgeschlossen und Zirkulationsverluste vermieden.
Urban, regenerativ, wirtschaftlich
Das Wohnbauprojekt Maingold zeigt, wie eine durchdachte Kombination aus Architektur und Gebäudetechnik neue Standards im verdichteten Stadtraum setzt. Für Planer wird klar: Regenerative Heiztechnik ist im Neubau auf Bestand nicht nur realisierbar, sondern wirtschaftlich, wartungsarm und zukunftsfähig.


Die Wärmeverteilung erfolgt durch Fußbodenheizungen in jeder Wohneinheit. Bild: Mitsubishi Electric Europe B.V.


Für jede Außeneinheit steht ein Hydromodul im Technikraum zur Verfügung, um die Heiz- und Wärmepumpenkreisläufe hydraulisch voneinander zu entkoppeln. Bild: Mitsubishi Electric Europe B.V.
Mitsubishi Electric Europe B.V.Niederlassung Deutschland
40882 Ratingen
Tel.: 02102 486-0
E-Mail: les@meg.mee.com
www.mitsubishi-les.com
Projekt-Steckbrief
Standort: Bremer Neustadt, Flüsseviertel
Gebäudetyp: Neubau mit Bestandselementen (Fundament Bunker)
Einheiten: 13 Wohneinheiten
Wohnfläche: 1.069 m² auf vier Etagen
Energiestandard: KfW-Effizienzhaus 55, EnEV-/GEG-konform
Heiztechnik: 3 x 11,2 kW Ecodan Luft/Wasser-Wärmepumpe (Zubadan), Kaskade mit MAX-COP-Funktion
Warmwasser: Frischwasserstationen in jeder Einheit, Schichtenpufferspeicher 800 Liter
Besonderheiten: Einsatzbereich bis –28 °C, niedrige Vorlauftemperatur, kein zusätzlicher Wärmeerzeuger erforderlich
Redaktion (allg.)
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