2. Praxisbericht der Initiative Wohnen.2050

Das Ziel der Klimaneutralität 2045 erscheint zunehmend utopisch

Die Klimaschutz-Initiative Wohnen.2050 (IW2050) hält das politische Ziel, Immobilien bis 2045 klimaneutral zu machen, für „zunehmend utopisch“. Das geht aus dem 2. Praxisbericht des Zusammenschlusses von fast 200 Unternehmen hervor.

Klimaneutralität aller Immobilien bis 2045? Das Ziel erscheint in der Wohnungswirtschaft zunehmend als utopisch. Foto: Adobestock/Smuki
Klimaneutralität aller Immobilien bis 2045? Das Ziel erscheint in der Wohnungswirtschaft zunehmend als utopisch. Foto: Adobestock/Smuki

Unter den Mitgliedern sei das Ziel des klimaneutralen Betriebs von Wohngebäuden unbestritten. Allerdings bedürfe es für die Transformation einer realitätsnahen Herangehensweise der Regierung mit „kalkulierbaren, wirtschaftlich umsetzbaren Vorschlägen auf Basis langfristig gültiger gesetzlicher Rahmenbedingungen“. Die Initiative macht in ihrem 2. Praxisbericht deutlich, dass sie von der Politik Planungssicherheit erwartet anstatt ständiger Ad-hoc-Korrekturen, kurzfristiger Stornierung von Förderregelungen oder gar abrupter Förderabbrüche aufgrund von Zielverschärfungen und fehlender Finanzmittel. Damit kritisiert IW:2050 indirekt das Hin-und-Her in der Förderpolitik von Wirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck (Grüne) zu Beginn des Jahre 2022.

Wohnungsunternehmen personell und finanziell zunehmend überfordert

Der Praxisbericht stellt detailliert die wachsenden Hindernisse auf dem Weg zur Klimaneutralität dar. Durch zahlreiche Faktoren werde die ohnehin personell und finanziell angespannte Situation vieler Wohnungsunternehmen in diesem Jahr nochmals gravierend verschärft. Dazu zählten neue gesetzliche Regelungen, die quasi über Nacht in Kraft treten, der plötzliche Wegfall von Direktförderungen für klimagerechte Modernisierungen und Neubauten, eine kriegsbedingte Energiekrise mit kontinuierlich steigenden Preisen, einem viel zu geringen Teil grüner Fernwärme, Lieferengpässen bei neuen Technologien zur Wärmeerzeugung sowie Handwerker-Mangel und schließlich fehlendes Know-how über neue haustechnische Anlagen.

Viele Wohnungsunternehmen haben Klimastrategien bereits festgelegt

Die Initiative übt in dem Bericht nicht nur Kritik an der Regierungspolitik, sondern zieht auch eine Zwischenbilanz der Arbeit in den Wohnungsunternehmen. Acht erste Klimastrategien, elf Pilotprojekte sowie 15 identifizierte, neue und nach wie vor bestehende Spannungsfelder seien Belege für die intensiven Bemühungen, Klimaschutz in den Unternehmen fest zu verankern und schnell auf eine möglichst große CO2-Reduktion hinzuarbeiten. Unter den befragten Wohnungsunternehmen hätten 24 Prozent ihre Klimastrategie bereits vor 2022 ausformuliert, 40 Prozent planten den Abschluss noch 2022, weitere 21 Prozent im Jahr 2023. Bei zwei Prozent werde es definitiv später als 2023 werden. 13 Prozent konnten sich zum Zeitpunkt der Umfrage noch nicht festlegen.

Felix Lüter, geschäftsführender Vorstand der IW.2050 fasst die Ergebnisse des Berichts zusammen: „Wohnungsunternehmen müssen als langfristig investierende Akteure in ihrem Ruf nach Unterstützung und direkter Förderung ernst genommen werden. Nur, wenn die Politik die hierfür notwendigen Wege ebnet, können sie den Spagat zwischen sozialen Aufgaben, ökonomischer Überlebensfähigkeit und ökologischer Transformation überhaupt schaffen.“

GdW-Präsident: „Politische Konzepte dürfen nicht auf Träumen aufgebaut sein“

Die Initiative Wohnen.2050 stellte den 2. Praxisbericht auf dem Verbandstag des GdW in Berlin vor. Verbandspräsident Axel Gedaschko schlug in seiner Rede in die gleiche Kerbe, formulierte seine Kritik allerdings betont undiplomatisch. Er warf den Parteien der Ampelregierung vor, sie würden an politischen Dogmen wie der Schuldenbremse oder der Ablehnung der Kernkraft festhalten, obwohl sich das Land in einem Wirtschaftskrieg befände, was Pragmatismus und Realitätssinn erfordere. Politische Konzepte dürfen nicht auf Träumen aufgebaut sein, ohne dass diese je eine Chance auf Realisierung haben“, kritisierte Axel Gedaschko.

Als Beispiel nannte er das Wärmepumpen-Ziel der Regierung. Ab 2024 sollten jährlich 500.000 Geräte installiert werden. Derzeit betrage die Lieferzeit für eine Wärmepumpe 12 bis zwanzig Monate und nur etwa 30 Prozent der Heizungsbaubetriebe könnten mit dieser Technik umgehen. Im Handwerk fehlen nach Gedaschkos Angaben 60.000 Fachkräfte für die Wärmepumpentechnik. Diese Lücke werde aufgrund der demografischen Entwicklung – die Babyboomer-Generation gehe demnächst in Rente – noch größer. „Wir müssen uns in Deutschland viel mehr um Automatisierung, um Robotisierung und Digitalisierung kümmern. Serielles Bauen und serielles Sanieren sind wichtige Bausteine, die es weiterzuentwickeln und zu stärken gilt“, sagte Gedaschko.

Quelle: Initiative Wohnen.2020/ Redaktion

Den 2. Praxisbericht der Initiative Wohnen.2050 können Sie unten kostenfrei herunterladen (PDF).

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