Digitale Vorfertigung in der Sanierung

Weil rund dreißig Prozent der bundesweiten CO₂-Emissionen aus dem Gebäudebestand kommen, hat die Bundesregierung beschlossen, dass Immobilien bis 2050 klimaneutral werden müssen. Aber der Sanierungsmarkt will im Gebäudebestand trotz immer höherer Förderquoten nicht in Fahrt kommen. Bei einem Mehrfamilienhaus in Hameln wurde jetzt eine CO₂-neutrale und serielle Gebäudesanierung umgesetzt. Hierfür hat das Berliner Prop-Tech Unternehmen ecoworks eine neuartige Gebäudehülle entwickelt.

Screenshot aus dem ecoworks-Video (siehe unten)
Screenshot aus dem ecoworks-Video (siehe unten)

ecoworks möchte mit dem ehrgeizigen Projekt unter Beweis stellen, dass digitale Planung und Vorfertigung in der Sanierung auch im sozialen Wohnungsbau funktioniert.

Wohnhaus erzeugt Energie

Drei Mehrfamilienhäuser mit insgesamt zwölf Wohnungen erzeugen jetzt mehr Energie, als die Bewohner für Heizung, Warmwasser und Haushaltsstrom benötigen. Die überschüssige grüne Energie speist ecoworks in das öffentliche Stromnetz ein. Die sanierten Gebäude fallen wie Neubauten inmitten der tristen Vierzigerjahre-Siedlungsbauweise sofort ins Auge. Klimaneutrales Wohnen zieht jetzt neue Bewohner ins Viertel. Die Resonanz der Mieter des Wohnungsunternehmens Arsago ACM GmbH zu den komfortablen und bezahlbaren Wohnungen fällt sehr positiv aus.

Die energetische Sanierung dauerte nur wenige Wochen und war Ende Dezember 2020 abgeschlossen. In Zukunft soll eine serielle Sanierung mit ecoworks rund 1000 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche brutto nach Förderung kosten.

Die modulare Gebäudehülle aus der Fabrik

Ein neuartiges Verfahren ermöglicht die Planung in 3D, die Produktion von Fassaden- und Dachelementen mit hohem Vorfertigungsgrad in der Fabrik und eine schnelle Montage dieser Module auf den bestehenden Gebäudehüllen. Alte Häuser können auf diese Art und Weise in kurzer Zeit auf Passivhausstandard gebracht werden.

Der durch hohe Dämmung verbleibende geringe Energiebedarf wird durch Photovoltaik, Wärmepumpe und Wärmespeicher gedeckt. Nach Abschluss der seriellen Sanierung kommt das Haus ohne fossile Brennträger aus und produziert als kleines dezentrales Kraftwerk seine Energie selbst.   

Serielle Sanierung wird dem Vorbild der Wind- und Solarenergie folgen

Emanuel Heisenberg, Gründer und CEO von ecoworks, sieht die Aufgabe des Start-ups vor allem in der Entwicklung einer neuen Industrie: “Wir entwickeln eine neuartige Gebäudehülle, die einfach installiert werden kann, die ineffiziente, baufällige Gebäude ohne Störung der MieterInnen innerhalb weniger Wochen klimaneutral saniert.”

Perspektivisch werden auch hier nach dem Vorbild der Wind- und Solarenergie die Kosten sinken, und zwar durch Automatisierung der Planung, aber auch der Produktion der vorgefertigten Fassaden- und Dachmodule.

Dekarbonisierung viel zu langsam

Weniger als ein Prozent der Wohnungen werden in Deutschland jährlich saniert. Für die Klimaziele der Bundesregierung müssten hingegen 2.700 Milliarden Euro in die Dekarbonisierung von 30 Millionen Wohnungen investiert werden. Im gegenwärtigen Tempo würde der klimaneutrale Gebäudebestand in Deutschland erst in einhundert Jahren erreicht werden.

Eine serielle Sanierung nach dem Beispiel von ecoworks könnte zahlreichere Gebäude schneller und perspektivisch günstiger sanieren. Zuletzt forderte auch die EU eine Renovation Wave ein, also eine Sanierungswelle für klimaneutrales Wohnen bis 2050. Um das zu erreichen, müssen 220 Millionen Wohnungen saniert werden - das sind über 20.000 Wohnungen am Tag.

Quelle: ecoworks

weiterlesen:
Serieller Wohnungsbau - eine Lösung für den Wohnungsmarkt?
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SERIE: Die Digitalisierung belebt die Immobilienbranche

 

Video: ecoworks - Mit Digitalisierung und Industrialisierung zum klimaneutralen Gebäudebestand!

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