dena-Studie zur Klimaneutralität

Konkrete Handlungsempfehlung für die neue Regierung

An der dena-Studie hatten Vertreter aus der Wohnungswirtschaft, Energieversorgung, aus Industrie, Automobilbranche und Handwerk mitgewirkt. Tenor: Um die Energiewende erfolgreich umzusetzen und Deutschland bis 2045 klimaneutral zu machen, bedarf es einer riesigen gesamtgesellschaftlichen Kraftanstrengung. U.a. müssten Photovoltaik und die Elektroladeinfrastruktur zügig ausgebaut werden.

Bald massenweise Solaranlagen auf deutschen Dächern? Der Ausbau von Photovoltaik könnte bald an Fahrt aufnehmen. Mal sehen, wie schnell die neue Bundesregierung Pläne umsetzt. BILD: PIXABAY/ Solarimo
Bald massenweise Solaranlagen auf deutschen Dächern? Der Ausbau von Photovoltaik könnte bald an Fahrt aufnehmen. Mal sehen, wie schnell die neue Bundesregierung Pläne umsetzt. BILD: PIXABAY/ Solarimo

Ausbau von Elektromobilität und Photovoltaik

Das 30 Seiten starke dena-Papier identifiziert dazu insgesamt 84 Aufgaben, die die Politik möglichst ohne Zeitverlust umsetzen solle. Unter ihnen sind wichtige Eckpunkte wie der Ausbau von Elektromobilität und Photovoltaik. Gebäude werden begriffen als Energieerzeigen und müsseten deshalb einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leisten.

Stromanwendungen gewinnen an Bedeutung

Mit fortschreitender Dekarbonisierung gewinnt Strom als Energieträger an Bedeutung. Der Strombedarf wird massiv, und damit erheblich mehr als lange vermutet, zunehmen. 2045, so schätzt die Studie, werden 50 Prozent des Endenergiebedarfs über Strom gedeckt werden müssen. Verantwortlich dafür sind nicht zuletzt der vermehrte Einsatz strombasierter Anwendungen – so zum Beispiel Wärmepumpen statt Ölheizungen im Gebäudebereich oder auch der Hochlauf der Elektromobilität.

Der Stromverbrauch wird in Folge dieser Entwicklung bis 2045 um fast 50 Prozent ansteigen – von 513 TWh im Jahr 2018 auf 724 TWh im Jahr 2045. Rechnet man die Verluste bei der Erzeugung beim Transport hinzu, ist für das Jahr 2045 mit einem Strombedarf von insgesamt 910 TWh zu rechnen.

Ausbau der Ladeinfrastruktur forcieren

Der Hochlauf der Elektromobilität ist ein wichtiger Faktor für den Anstieg des Strombedarfs. So ist laut den Autoren der Studie allein im Verkehrsbereich eine Verzehnfachung des Strombedarfs zu erwarten. Schließlich müssen bis 2030 bereits 9,1 Millionen batteriebetriebene Fahrzeuge auf deutschen Straßen unterwegs sein, um die Klimaziele im Verkehrssektor zu erreichen. Bis 2045 müssten es sogar 31,8 Millionen „Stromer“ sein. Mit dem starken Anstieg geht ein steigender Bedarf an Ladeinfrastruktur einher. Deren Aufbau müsse hierzulande wie auch in der gesamten Europäischen Union forciert werden, so eine Forderung der Studie. Auch der ZVEH hatte immer wieder an die Adresse der Politik appelliert, insbesondere für den Ausbau der privaten Ladeinfrastruktur mehr Anreize zu setzen, um den Hochlauf der E-Mobilität zu unterstützen.

Photovoltaik hinkt den Zielen hinterher

Decken lässt sich dieser Bedarf nur, wenn die Stromerzeugung aus Sonnenenergie deutlich ausgebaut wird. Notwendig dazu ist nach Ansicht der dena-Studie annähernd eine Versechsfachung der PV-Leistung. Diese lag im Jahr 2018 bei 45 GW und wird bis 2045 auf 259 GW steigen müssen. Das setzt einen jährlichen Zubau von mindestens 8 GW voraus. Bislang wird diese Zielgröße, wie viele andere Etappenziele, verfehlt. 2020 wurde beispielsweise nur eine PV-Leistung von 4,8 GW zugebaut.

Immerhin sei die Einführung der Photovoltaik-Pflicht (PV) einiger Bundesländer ein wichtiger Schrittt in die richtige Richtung nach Ansicht der dena-Studie und des Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH).

Gebäude wichtige Akteure der Energiewende

Die Studie „Aufbruch Klimaneutralität“ spricht sich zudem dafür aus, den Gebäudebestand beim Klimaschutz stärker in den Blick zu nehmen. Dafür sei es jedoch notwendig, Gebäude nicht nur als Energieverbraucher zu begreifen, sondern ihr Potential für die Energiewende zu erkennen – auch das fordern die E-Handwerke schon seit Langem. Schließlich können PV-Anlagen am Gebäude in Kombination mit einer Sanierung der Gebäudehülle sowie Mieterstrom- und Quartiersenergieprojekte dazu beitragen, Gebäude in Energieerzeuger zu verwandeln. Voraussetzung ist, auch hier stimmt die dena-Studie mit den Forderungen des ZVEH überein, dass solche Maßnahmen stärker angereizt und vorhandene Regulierungen, etwa beim Mieterstrom, zurückgefahren werden.

Smart Buildings für die Energiewende

Darüber hinaus benennt die Studie mit dem Einsatz digitaler Technologien zur Gebäudeautomation ganz explizit einen Baustein, der auch den E-Handwerken besonders am Herzen liegt. Diese fordern mit Nachdruck, das im Gebäudebereich schlummernde Potential zu erkennen und vernetzte Anwendungen und gebäudeeigene Energiemanagementsysteme als wichtigen Beitrag zur Senkung des Energieverbrauchs und damit zum Erreichen der Klimaziele zu verstehen. „Aufbruch Klimaneutralität“ macht sich daher im Sinne der elektrohandwerklichen Organisation auch für einen barrierefreien Zugang des Handwerks zu gebäudebezogenen Energiedaten und damit für dessen Forderung nach Datenökonomie stark. Gemeint ist damit, dass Handwerker – die Zustimmung des Gebäude- oder Wohnungsbesitzers vorausgesetzt – auf im Gebäude generierte Daten zugreifen und diese beispielsweise zur Systemoptimierung und für neue digitale Dienstleistungen nutzen können.

Berufliche Bildung stärken und attraktiver machen

Die beschriebenen Herausforderungen sind allerdings nur, auch das macht die Handlungsempfehlung der dena für die neue Bundesregierung deutlich, mit genug und ausreichend qualifiziertem Fachpersonal zu bewältigen. Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung und des durch die Energiewende kontinuierlich zunehmenden Fachkräftebedarfs – eine steigende Sanierungsrate, erhöhte Neubauaktivitäten sowie neue Dienstleistungen und Geschäftsfelder im Energiebereich sorgen für eine zusätzliche Nachfrage nach Fachkräften – stellt jedoch die Nachwuchsentwicklung bereits eine eigene Herausforderung dar.

Quelle: Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH)

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